Stuttgart beim sozialen Wohnungsbau abgeschlagen

26. Februar 2009 | von

In Stuttgart nimmt der Anteil der Sozialwohnungen seit Jahren kontinuierlich ab. Der Rat der Stadt ist alarmiert und diskutiert über Lösungsmöglichkeiten.

Die Boomphase im sozialen Wohnungsbau ist lange vorbei. Wie in etlichen andern deutschen Großstädten entstand auch in Stuttgart der Großteil der preisgebundenen und durch öffentliche Hilfen finanzierten Wohnungen in den 1960er bis 1980er Jahren. Doch nicht nur die Bauaktivitäten gingen in den vergangenen zwei Jahrzehnten zurück, auch die Preisbindungen laufen einstweilen nach und nach aus.

Wohnungsunternehmen kaufen sich von der Preisbindung frei

Erschwerend kommt hinzu, daß sich die Wohnungsbaugenossenschaften inzwischen verstärkt von der Mietpreisbindung befreien, indem sie die erhaltenen Förderungen frühzeitig zurückzahlen. So schrumpfte dann auch die Anzahl der Sozialwohnungen in den vergangenen 15 Jahren um satte 36 Prozent. Derzeit gibt es noch 17.500 Sozialwohnungen, was einem Anteil von 7 Prozent am Wohnungsmarkt entspricht. Hält der Trend weiter an, wird es in Stuttgart bald nur noch 14.000 preisgebundene Wohnungen geben.

Auch in anderen Metropolen sank die Anzahl der Sozialwohnungen in ähnlichem Maße. In Frankfurt zum Beispiel sind es bei einem derzeitigen Bestand von 33.500 Wohnungen circa 37 Prozent weniger als vor 15 Jahren. Etwas besser sieht es da in München aus. Die süddeutsche Metropole verfügt über einen Gesamtbestand von 80.000 preigebundenen Wohnungen, das sind knapp 10 Prozent des Wohnungsmarktes.

München um Lösungen bemüht

Doch auch in München ist nicht alles Gold, was glänzt. Einerseits ging auch hier die Anzahl deutlich zurück, andererseits wird durch knapper werdende Freiflächen das Ziel von jährlich 1.800 neuen Sozialwohnungen nicht erreicht. Da die astronomischen Mietpreise in der Isarmetropole für viele Normalverdiener inzwischen unbezahlbar sind und deshalb das Problem weiter verschärfen, muss auch München Lösungen finden. Diese können einerseits im Neubau liegen – von 2001 bis 2011 stellt die Stadt den Wohnbauträgern insgesamt 1,2 Milliarden Euro für die Wohnbauförderung zur Verfügung -, andererseits im Kauf von Belegrechten von privatem Eigentum. Für dieses Vorhaben gibt die Stadt nochmals 25 Millionen Euro aus. Mit diesem Geld finanziert die Stadt dem Eigentümer die Differenz zwischen Sozial- und Ortsmiete sowie einen zusätzlichen Betrag, der in seiner Höhe abhängig von der Art des Belegrechts und dem energetischen Zustand des Hauses ist.

Quotenregelung als Lösungsansatz?

In Frankfurt versucht man, das Problem mit einer Quotenregelung zu lösen. 15 Prozent aller Neubauten sollen auf den sozialen Wohnungsbau entfallen, in den nächsten vier Jahren sollen so insgesamt 5.500 Wohnungen für Geringverdiener entstehen. Diese Methode könnte auch als Vorbild für Stuttgart dienen, zumindest fordern dies SPD und Grüne – bis jetzt ohne Erfolg.
Wie auch immer die Stadt das Problem löst – mit Belegrechten, der Förderung oder einer Quote – eine Entscheidung ist dringend notwendig. Gerade mal 100 neue Sozialwohnungen sind ein indiskutabler Zustand die die Stadt im Ländle.




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