„Maklerflatrate“ auf dem Vormarsch?

12. März 2009 | von

In der Maklerbranche herrscht nach dem Urteilsspruch im Falle „iMakler“ Unruhe. Steht das traditionelle Geschäftsmodell der Immobilienmakler auf der Kippe?

Für die Maklerbranche dürfte der Tag der Urteilsverkündung des Landgerichtes Frankfurt (Main) im Falle „iMakler“ als einer der schwärzeren in die Geschichte eingehen, wurde doch hier gerade an den Grundfesten des Maklerstandes gerüttelt. „Anteilige Provision am Verkaufspreis nach erfolgreichem Abschluss“ war lange Zeit die gültige Formel bei Immobiliengeschäften, geregelt durch die Paragrafen 652 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuches bzw. des Wohnungsvermittlungsgesetzes.

Nun soll es also auch möglich sein, Immobiliengeschäfte statt mit prozentualer Beteiligung am Verkaufspreis auch mit einem Festpreis zu vergüten. Harald Blumenauer bietet mit „iMakler“ solch ein Modell an. Für einen Festpreis von 995 Euro bietet er verschiedene Leistungen an, die zur Vermittlung des Objektes führen sollen. Dazu gehört zum Beispiel die Marktwerteinschätzung des Objektes, das Schalten von Anzeigen, die Verhandlungsführung mit Interessenten und die Organisation der Besichtigungstermine. Der Haken: Falls sich trotz aller Bemühungen kein Interessent findet, wird der Betrag trotzdem fällig.

Dies ist so einer der Punkte, die dem Immobilienverband IVD bitter aufstoßen. iMakler erbringe nur einen Teil der marktüblichen Dienstleistungen des Immobilienmaklers, also dürfe es dies nicht als Maklerleistung bezeichnen. Das Gericht folgte dieser Argumentation allerdings nicht und sah die Bezeichnung „Makler“ als nicht schützenswert an. Eine Irreführung des Verbrauchers sei nicht zu erkennen, so die Richter.

Der mündige Verbraucher als Zankapfel

Beide Seiten berufen sich auf den Verbraucher, der einerseits ja mündig ist und selbst entscheiden kann, andererseits aber vor Abzocke geschützt werden muss. iMakler-Geschäftsführer Harald Blumenauer sieht die Verbraucherrechte jedenfalls bekräftigt: „Die Wahlmöglichkeiten des mündigen Verbrauchers werden deutlich gestärkt, und der Provisionsmakler wird nicht zu einer gesetzlich schutzwürdigen Gattung erklärt“ jubilierte er nach der Urteilsverkündung. Auch das Gericht sieht dies so und gesteht dem Verbraucher so mehr Entscheidungsfreiheit zu, als dem IVD lieb sein kann.

Aber auch der IVD ist um das Wohl der Verbraucher besorgt: “Wir haben Verantwortung gegenüber dem Verbraucher“ erklärt der Vorsitzende des IVD Nord, Peter Landmann. Ihm geht es um ordnungsgemäße Aufklärung der Verbraucher, aber auch um die Mitglieder seines Bundesverbandes und die Grundfeste des Maklermodells. “In diesem Rechtsstreit geht es darum, dass nur das als Maklerleistung bezeichnet werden darf, was auch wirklich eine Maklerleistung ist“.

Und so erscheint es, daß „der Verbraucher“ hier nur ein Pappkamerad im Spiel der Interessen ist. Für den IVD geht es um nichts anderes als den Schutz des althergebrachten Geschäftsmodells, iMakler um den Wettbewerb mit innovativen Modellen.
Ob es überhaupt jemals zu einem Wettbewerb zwischen beiden Modellen kommt, bleibt jedenfalls abzuwarten. Der IVD behält sich weitere rechtliche Schritte vor. Nach einer Prüfung der Urteilsbegründung wolle der Verband vorraussichtlich Rechtsmittel einlegen.

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2 Kommentare zu „Maklerflatrate“ auf dem Vormarsch?

  1. Adrian Brückner sagt:

    Naja, so richtig sehe ich das Flatratekonzept trotz des Urteils noch nicht auf dem Vormarsch. Wie lange ist denn “iMakler” schon am Start? Und wie viele Kunden hat es wirklich? Und laufen den Maklern die Kunden schon in Scharen davon? Wohl eher nicht, weil Deutschland vor allem ein Mietermarkt ist und für Wohnungen das 995 Euro-Modell als zu teuer erscheint.

    Zudem wurde doch lediglich entschieden, daß das Produkt den Beinamen “Makler” tragen darf. Ein Signal zum Ende des Maklerwesens kann ich darin nicht erkennen.

  2. Pingback: finca mallorca

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