Hamburger HafenCity-Universität: Kosten des Neubaus weiterhin unklar

30. März 2009 | von

Vergangene Woche schockte das Hamburger Abendblatt mit der Nachricht, die Kosten des Neubaus der HafenCity-Universität würden von geplanten 37 Millionen Euro auf über 85 Millionen Euro steigen. Und während die Wissenschaftsbehörde dieser Darstellung mit einem „Alles im Plan“ widersprach, entfacht der Bund der Steuerzahler eine Standortdiskussion.

Die HafenCity Universität ist eines der jüngsten Bildungsprojekte der Hansestadt. Seit dem 1. Januar 2006 können sich rund 1.500 Studenten an der Universität für Baukunst und Metropolenentwicklung in den Disziplinen Architektur, Bauingenieurwesen, Geomatik und Stadtplanung ausbilden lassen. Derzeit müssen die zukünftigen Baukünstler allerdings noch mit einem eher baufälligen Uni-Gebäude in Hamburgs City Nord vorlieb nehmen – ein Provisorium, das bald der Vergangenheit angehören soll.

Die HCU plant ein neues Universitätsgebäude, und das soll, ganz standesgemäß, kein normaler Bau von der Stange sein. Es „müsse ausdrücken, dass der hier gelehrte Beruf des Architekten und Stadtplaners auch einen Sinn habe“, wie es Oberbaudirektor Jörn Walter galant auszudrücken vermag. Dafür wurde eigens ein internationaler Realisierungswettbewerb ausgeschrieben und ein potenter Investor gesucht. Ersterer wurde im Februar 2007 entschieden, Letzterer fand sich leider nicht, weshalb der Hamburger Senat den Bau nun selber finanzieren wird.

Neubau der HafenCity Universität: Kostenexplosion droht

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Das Gebäude müsse ausdrücken, dass der hier gelehrte Beruf des Architekten und Stadtplaners auch einen Sinn habe. © HCU

Und um diese Kosten ist nun ein Streit entbrannt. Das Hamburger Abendblatt rechnet vor, dass der Neubau statt der ursprünglich geplanten 37 Millionen Euro wohl eher 85 Millionen kosten werde. Zu den bereits gestiegenen Baukosten von 65 Millionen kämen noch knapp 20 Millionen für das Grundstück hinzu.
Die Gründe für die Kostenexplosion sind vielfältig. Es soll nun doch eine Tiefgarage geben, das Fundament müsse wasserseitig abgestützt werden und auch die Anhebung der Mehrwertsteuer mache einen Strich durch die ursprügliche Planung. Etwas kurios ist dagegen ein weiterer Kostenfaktor: durch die Konjunkturhilfen der Stadt hätten die Bauunternehmen nun prall gefüllte Auftragsbücher und könnten so höhere als die einkalkulierten Preise verlangen. Aus diesem Konjunkturpaket wird übrigens auch der Neubau der HCU finanziert…

Die Kostenrechnung des Abendblatts nötigte die Wissenschaftsbehörde zu einer Gegendarstellung. Die genannten 37 Millionen seien nur ein Richtwert aus dem Architektenwettbewerb, die Gesamtinvestitionskosten lägen seit jeher bei 65,7 Mio. Euro und würden auch nicht überschritten. Hochschulpolitiker Philipp-Sebastian Kühn (SPD) geht dagegen sogar von 100 Millionen Euro aus – die HCU wäre ein ähnliches Millionengrab wie die ganz in der Nähe gelegene Elbphilharmonie. Bedenklich erscheint auch das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen: An der HCU sollen etwa 1500 Studenten ausgebildet werden, während an der Universität Hamburg sind rund 35.000 Studenten in sanierungsbedürftigen Gebäuden drängeln.

Auch der Bund der Steuerzahler wurde durch die neuen Zahlen aufgeschreckt. Damit das Projekt kein Fall für das Schwarzbuch wird, solle der Senat „sich Gedanken über den Standort zu machen“.

Für alle Hamburger die nicht warten können, bleibt noch die Alternative Fernstudium.




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