HRE Hauptversammlung: Trotz Stunden der Empörung läuft alles nach Plan

3. Juni 2009 | von

Der Kapitalismus steht auf gegen den sozialistischen Feind – und verliert. In solch einem Szenario sehen sich die Aktionäre gegen die Bundesregierung und Finanzminister Steinbrück. Die Hauptversammlung der Hypo Real Estate ist durchaus filmreif, doch ein Happy End gibt es für die Aktionäre nicht: Letztendlich steht dem Plan des Bundes, über eine Kapitalerhöhung schließlich die komplette Kontrolle über den krisengeschüttelten Immobilienfinanzierer zu übernehmen, nichts mehr in Wege.

Das Ergebnis steht eigentlich schon vor der Abstimmung fest: gut 74% der Stimmrechte sind anwesend, der Bund ist mit seinen fast 50% vollständig. Für die Hypo Real Estate bedeutet das Verstaatlichung. Die letzte Hoffnung der Aktionäre hingegen ist die Zeit: bis Mitternacht ist die Hauptversammlung angesetzt. Genug Wortmeldungen, Fragen, Diskussionen, und der gefürchtete Punkt auf der Agenda fällt – zumindest für heute – aus: die Abstimmung über die vom Bund geplante Kapitalerhöhung.

Zwölf Stunden lang geht von den Aktionären eine Welle der Entrüstung und des Protests aus. Es fallen Ausdrücke wie „Enteignung“ und „Aktienraub“. Sie sind wütend über den alten Vorstand, der mit ihrem Geld gezockt und verloren hat, und darüber, dass sie jetzt, wie alle anderen Steuerzahler auch, für die Rettung des Instituts zur Kasse gebeten werden. Und zu alledem sollen sie jetzt auch noch gegen jeden Widerstand aus dem Unternehmen gedrängt werden.

Dabei haben die meisten gegen die 90% Anteile, die der Bund durch die geplante Kapitalerhöhung anstrebt, gar nichts einzuwenden. Nur würden sie gern ihre Aktien behalten – es könnte ja sein, dass die Kurse irgendwann wieder steigen. Doch die Abstimmung bringt schließlich ein wenig überraschendes Ergebnis: der Bund kann seinen Anteil an der HRE auf 90% erhöhen und die restlichen Aktionäre mit einer Zwangsabfindung herausdrängen.

Aktionärsvertreter prüfen bereits rechtliche Schritte gegen dieses sogenannte Squeeze Out. Außerdem werden mögliche Vorgehen gegen die Verkürzung der Redezeit während der Hauptversammlung untersucht. Vielleicht geht der Kampf also bald in die nächste Runde.




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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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