Hohe Karstadt-Mieten: Ermittlungen gegen Ex-Arcandor-Chef

8. Juni 2009 | von

Während der insolvenzgefährdete Handelskonzern Arcandor um Staatshilfen buhlt, soll jetzt gegen Ex-Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff ermittelt werden. Der Vorwurf: Er hätte gegen die völlig überhöhten Mieten für einige Karstadt-Häuser vorgehen müssen – stattdessen hat er persönlich davon profitert.

Die Mieten von fünf Karstadt-Häusern, darunter die der Filialen in Leipzig und Potsdam, fließen in den Oppenheim-Esch-Immobilienfonds, der bei diesen Häusern investiert ist. Auffälligerweise sind die Mieten eben dieser Häuser mit bis zu 30% des Umsatzes teilweise doppelt so hoch wie sonst üblich. Das Pikante an der Sache: Ex-Arcandor-Chef Middelhoff und seine Frau besitzen Anteile an dem Fonds.

Dass Middelhoff den Sachverhalt weder hat prüfen lassen, noch seine Fondsanteile abgegeben hat, könnte jetzt zu einem Problem werden. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat Untersuchungen angesetzt und lässt ein Ermittlungsverfahren prüfen.

Der Fonds war von Projektentwickler Josef Esch und der Privatbank Sal. Oppenheim aufgelegt worden, seit 2002 besitzt Middelhoff Anteile. Esch hatte dem damaligen Karstadt-Quelle-Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Urban eine Gewinnbeteiligung versprochen, was die hohen Mieten ausgleichen sollte. Doch 2004 kam ein Führungswechsel, aufgrund dessen die Vereinbarung für nichtig erklärt wurde. Der neue Chef hieß Thomas Middelhoff.

An diesem Punkt hätte von Middelhoff ein juristisches Einschreiten erwartet werden können, das es aber nie gab. Wirtschaftsprüfer bewerteten Eschs Verpflichtung als nicht rechswirksam, ein Rechtsgutachten riet von einer Klage gegen Josef Esch ab. Dadurch sind Arcandor geschätzte 100 Millionen Euro durch die Finger gegangen, denn eine Klage wäre durchaus aussichtsreich gewesen. Stattdessen gibt es jetzt für Aktionäre wie Mitarbeiter nur noch Hoffen und Bangen, während Middelhoff, der im Februar als Vorstandsvorsitzender entlassen wurde, gewohnt zuversichtlich ist: Er weist alle Anschuldigungen zurück und erwartet von den Untersuchungen, dass diese die Vorwürfe entkräften.

Inzwischen steht Arcandor das Wasser bis zum Hals: Im Juni konnte der Konzern die Mieten nicht mehr bezahlen, eine mögliche Insolvenz rückt immer näher. Middelhoffs Nachfolger Karl-Gerhard Eick lässt zurzeit die überhöhten Mieten sowie mögliche Schritte gegen frühere Entscheidungsträger prüfen. Doch egal, wie das Ergebnis letztendlich aussieht: dass die Immobiliengeschäfte schlecht für Arcandor und gut für Middelhoffs Konto waren, wird für Kritiker wohl mehr wiegen als eventuelle juristische Unschuld.




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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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