Laut, lauter, Mietminderung – Was ein Mieter aushalten muss

26. Juni 2009 | von

Lärm, Krach, Geräuschpegel – man kann es nennen wie man will, aber wenn das Phänomen zu lang, zu laut oder zu unmöglichen Tages- oder gar Nachtzeiten auftritt, will man einfach nur, dass es möglichst bald verschwindet. Es stört die Ruhe, verursacht Stress und kann sogar gesundheitsschädlich sein. Ein klarer Fall von sinkendem Wohnwert und damit eine Berechtigung zur Mietminderung – könnte man meinen. Denn im Mietrecht ist laut nicht immer gleich laut.

Im März dieses Jahres entschied das Amtsgericht Frankfurt a.M., dass die Mieterin einer Erdgeschosswohnung kein Recht auf Mietminderung hat, obwohl sie regelmäßig durch den Lärm eines Spielplatzes vor ihrem Fenster belästigt wird. Hierbei ging es allerdings nicht um schreiende Kleinkinder, sondern um Erwachsene, die dort des Nachts feuchtfröhliche und dementsprechend laute Zusammenküfte abhalten. Dagegen wurde zum Beispiel in einem Fall vor dem Amtsgericht Mainz aus dem Jahr 2003 entschieden, dass die Miete aufgrund des nächtliches Lärms durch ein Garagentor um 20% gemindert werden darf. Auf den ersten Blick sind diese Urteile im Vergleich nicht wirklich nachvollziehbar. Aber was ist denn nun gerecht?

Grundsätzlich ist eine Mietminderung gerechtfertigt, wenn ein (natürlich nicht durch den Mieter verschuldeter) Mangel an der Wohnung oder dem Haus besteht, der den Wohnwert beeinträchtigt. Die Miete darf so lange gemindert werden, bis der Vermieter den Mangel beseitigt hat. In manchen Fällen, wie den beiden Beispielen oben, kann der Vermieter aber gar nichts unternehmen. Tatsächlich darf aber auch dann die Miete gemindert werden – siehe Garagentor.

Was hat die Frau also falsch gemacht, dass sie ihre Nächte quasi mit Betrunkenen verbringen muss? Ganz einfach: Der Spielplatz war schon vorhanden, als sie die Wohnung mietete. Laut AG Frankfurt ist allgemein bekannt, dass das Lärm bedeutet, und zwar auch von Erwachsenen und außerhalb der Ruhezeiten. Somit hat sie mit Unterschreiben des Mietvertrages den Lärm sozusagen akzeptiert.

Tatsächlich schließt das Mietrecht das Recht auf Mietminderung aus, wenn der Mangel bei Vertragsabschluss bekannt ist. Also lieber zwei Mal überlegen, ob die potentielle neue Wohnung ein “Extra” hat, das einem später möglicherweise auf die Nerven fällt. Im Zweifelsfall sollte man sich vom Mieterbund beraten lassen, denn der weiß: Jeder Lärm ist anders.




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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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2 Kommentare zu Laut, lauter, Mietminderung – Was ein Mieter aushalten muss

  1. Klaus Danert sagt:

    Dieses Urteil spricht wieder einmal von der Blauäugigkeit der Richter. Was haben Erwachsene spät abends auf einem Spielplatz zu suchen? Wenn der Richter der Meinung ist, beim Einzug sei der Spielplatz bekannt gewesen, dann doch nur als Spielplatz und nicht als Alkoholikertreff. Auch von meiner Wohnungsgesellschaft musste ich erfahren, dass ihr diese Art der Spielplatznutzung völlig egal ist.

  2. Katrin sagt:

    Dem stimme ich auch zu. Bei Einzug ist ja meines Erachtens nicht davon auszugehen, das sich ein Spielplatz als nächtlicher Tummelplatz für Erwachsene Alkoholiker entpuppt.

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