Spinnen dürfen sich abseilen: Hausmeister haftet nicht

23. Juli 2009 | von
Auch unschuldig wirkende Spinnen können zu schweren Verletzungen führen. Auch unschuldig wirkende Spinnen können zu schweren Verletzungen führen.

Die Arachnophobie ist wirkliche eine lästige Sache. Tausende Männer müssen auf Geheiß ihrer Liebsten halsbrecherische Kletteraktionen im Haushalt vollbringen, nur um das friedlich in der Ecke sitzende Tier zu beseitigen. Dabei muss nicht mal eine Tiefgarage vollkommen spinnenfrei sein, selbst wenn ein Hausmeisterservice zur monatlichen Entfernung der Spinnweben verpflichtet ist. Das entschied das OLG Karlsruhe in einem aktuellen Fall.

Eine Mieterin des Hauses war hier wohl zur falschen Zeit am falschen Ort. Gerade in dem Moment, als sie durch die Tiefgarage schritt, seilte sich eine Spinne genau auf Kopfhöhe ab. Durch einen Ruf des Ehemanns gewarnt, erblickte die Bewohnerin das schwarze Ungetüm vor ihren Augen und erschrak so, dass sie „reflexartig“ zurückgetreten sei und das Gleichgewicht verloren habe. Dadurch sei sie zu Fall gekommen. Schwere Verletzungen wie ein Handgelenkbruch und Prellungen waren die Folge der unheimlichen Begegnung mit Kankra.

Vom Hausmeisterservice, der die Tiefgarage einmal monatlich reinigt, forderte sie aufgrund der Verletzung der Reinigungspflicht daraufhin mindestens 6.000 Euro Schmerzensgeld, schließlich verpflichtet der Hausmeistervertrag zur Entfernung der Spinnweben.

Das OLG Karlsruhe entschied nun gegen die Klägerin und wies die Klage ab. Zur Begründung hieß es, dass die Bewohnerin nicht nachweisen konnte, dass der Reinigungsservice den Sturz durch mangelhafte oder gar nicht stattgefundene Reinigung verursacht habe. Das wäre nur der Fall, wenn der Vertrag tatsächlich vorsehen würde, dass sich genau am Unglückstag keine Spinne auf Gesichtshöhe abseilen darf – wovon nicht ausgegangen werden kann.

Zudem kann der Hausmeisterservice an einem beliebigen Tag des Monats reinigen, weshalb auch niemand sagen kann, ob eine zu einem bestimmten Zeitpunkt stattfinde Reinigung das Drama hätte verhindern können. Und selbst für den Fall, dass gerade an besagtem Tag eine Reinigung stattgefunden hätte, kann niemand garantieren, dass keine Spinne auftaucht – die Tierchen sind verdammt flink unterwegs.

So lässt sich das Unglück der Klägerin lediglich als allgemeines Lebensrisiko subsummieren – für das der Hausmeisterservice keine Gewähr übernehmen kann.

OLG Karlsruhe, AZ 7 U 58/09




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