HRE: Aktionäre klagen 200 Millionen Euro ein

30. Juli 2009 | von

Es hat sich einiges geändert: Die Hypo Real Estate ist verstaatlicht und heißt inzwischen “Deutsche Pfandbriefbank”- doch die Skandale um das Immobilieninstitut reißen nicht ab. Jetzt wollen Aktionäre mehrerer Kapitalanlagefonds auf Schadenersatz klagen. Insgesamt werden sich die Forderungen auf rund 200 Millionen Euro belaufen – und das ist möglicherweise nur der Anfang, der die Schadenersatzwelle erst richtig ins Rollen bringt. Die Verhandlung soll nächste Woche vor dem Landgericht München I stattfinden.

Schon die Verstaatlichung der Hypo Real Estate war auf Protest gestoßen: Das Unternehmen saß in der Bredouille, weil der ehemalige Vorstand hatte sich verzockt hatte, und wurde die erste Bank, die um Staatshilfe bat. Der Bund – natürlich darauf bedacht, eine Vertiefung der Krise zu verhindern – erhörte die Bitte. Es folgte eine 100 Milliarden teure Rettung und letztendlich die Verstaatlichung: Die Aktionäre wurden aus dem Unternehmen gedrängt, die Kosten der Rettung trägt der Steuerzahler.

Die jetzt laufende Sammelklage ist nicht die erste, die der HRE ins Haus flattert: Aktionärsforderungen in Millionenhöhe liegen schon länger vor. Was jetzt aber auf das Immobilieninstitut zukommt, stellt alles in den Schatten, denn weitere Klagen in ähnlich schwindelerregenden Höhen könnten folgen. Der Hintergrund der Schadenersatzforderungen: Der Vorstand hätte die Aktionäre über bestehende und ihm wohlbekannte Risiken aufklären müssen – was er aber nicht tat. Somit könnte der Vorwurf auch als vorsätzliche Täuschung zusammengefasst werden. Laut Landgericht München stehen die Chancen auf Schadenersatz zumindest für die Aktionäre, die ihre HRE-Anteile zwischen November 2007 und Januar 2008 erworben haben, gar nicht schlecht, denn in diesem Zeitraum hätten sie auf den problematischen Zustand der Hypo Real hingewiesen werden müssen – was einige sicher dazu verleitet hätte, den Aktienkauf nochmals zu überdenken.

Obwohl man jenen, die ohne eigenes Verschulden viel Geld – oft auch ihre Altersvorsorge – verloren haben, eine Entschädigung wohl gönnen mag, ist ein bitterer Aspekt nicht zu übersehen: Durch die Verstaatlichung muss wohl der Bund für den Schadenersatz aufkommen – womit auch diese Millionen letztlich am Steuerzahler hängenbleiben.




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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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