Schandflecken oder Zeitzeugen? Ausstellung über Gebäude der 60er Jahre eröffnet

25. August 2009 | von

Schön sind sie in den Augen der meisten nicht, die grauen Klötze in ihren Vierzigern. Gespart wurde in den 60er Jahren an Farbe und architektonischen Spielereien, vielmehr waren Funktionalität und Geradlinigkeit gefragt. Modern wollte man bauen, nach einer Vergangenheit, von der man sich schnell und deutlich distanzieren wollte. Obwohl – oder gerade weil – sich diese Art der Modernität heute nicht gerade der größten Beliebtheit erfreut, startet jetzt die Ausstellung „Architektur im Aufbruch. Planen und Bauen in den 1960ern“.

Dass sie lange vergessen oder schlicht ignoriert wurden, sieht man den meisten von ihnen deutlich an. So deutlich, dass es an der Zeit ist, sich zwischen Sanierung und Abriss der Gebäude zu entscheiden. Schnell wird nach letzterem gerufen – die Sanierung der Betonbrocken wäre doch Verschwendung. Andererseits: Wenn die Menschen immer alles dem Erdboden gleichmachten, was ihnen nicht mehr zusagt, wäre die Kulturlandschaft heute wohl um einiges ärmer. Diese Überlegungen nimmt das M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW zum Anlass für eine Ausstellung zu dem Thema, die gestern eröffnet wurde.

Das M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW hat seinen Sitz in Gelsenkirchen, ist aber ein “mobiles Museum”, das gerade wegen seines architektonischen Schwerpunktes Wert darauf legt, die Ausstellungsstücke nicht nur zu sich holen zu können, sondern auch die Möglichkeit zu haben, sich zu bedeutenden oder passenden Orten und Gebäuden hinzubegeben. So ist auch die aktuelle Ausstellung bis zum 18. Oktober in der Liebfrauenkirche in Duisburg, nach einer kurzen Pause dann vom 23. Oktober bis 29. November im Audimax der Ruhruniversität Bochum zu sehen – dass beide Bauwerke selbst nicht unbedingt zu den Schönheiten des Landes gehören, ist sicher kein Zufall.

Wer ein Faible für 60er Jahre-Bauten hat oder seine Meinung über sie vielleicht noch einmal überdenken möchte, kann die Ausstellung kostenlos besuchen. Und wer weiß? Wenn sogar die Mode der 80er Jahre eine Renaissance erlebt, vielleicht werden die Menschen im nächsten Jahrhundert dankbar sein, dass die architektonischen Zeugnisse aus den 1960ern dem Abriss doch noch entgangen sind. Geschmack und Ästhetikbefinden ändern sich eben mit der Zeit.




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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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2 Kommentare zu Schandflecken oder Zeitzeugen? Ausstellung über Gebäude der 60er Jahre eröffnet

  1. G.Lotzenoff sagt:

    Dann müsste man ja halb Köln abreissen… was eigentlich eine gar nicht so üble Vorstellung ist. Sind da noch ein paar U-Bahn-Linien geplant?

  2. Thomas D. sagt:

    Wie heißt es doch so schön: “Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters.”.


    http://hauskauf-in-der-krise.blogspot.com/

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