Berliner Mieter wehren sich gegen hohe Nebenkostenabrechnungen

1. September 2009 | von

Der Brief mit der Nebenkostenabrechnung für das vergangene Jahr ist eine spannende Angelegenheit. Fällt die geplante Urlaubsreise aus, weil wieder eine saftige Nachzahlung ansteht, oder ist dank einer netten Rückerstattung sogar ein neuer Fernseher drin? Für die Mieter der Berliner Rollbergesiedlung ist die Spannung raus: Seit Jahren flattern ihnen hohe Nachzahlungen vom Vermieter „GSW“ ins Haus. Nun haben sie eine Initiative gegen die ihrer Meinung nach überhöhten Rechnungen gegründet.

Die Anwohner in Waidmannslust haben wirklich allen Grund zur Klage. Seit Jahren ist es keine Seltenheit, dass von den Mietern der Wohnungsgenossenschaft GSW, deren Name eigentlich für „Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft Berlin“ steht, bis zu vierstellige und nach Mieter-Ansicht überzogene Nebenkosten-Nachzahlungen gefordert werden. Scheinbar ist der GSW die gemeinnützige Ader nach ihrem Verkauf an den US-Finanzinvestor Cerberus verlorengegangen.

Die Mieter beschweren sich vor allem über Ungereimtheiten in den Abrechnungen, zudem seien diese in vielen Fällen „unverständlich, inhaltlich und formal falsch“, so der Sprecher der Reinickendorfer Mieterinitiative, Wolfgang Dangel, zum Berliner Kurier. Konkret handelt es sich dabei zum Beispiel um falsche Rundungen und Überträge oder unbelegte Buchungen. Bei knapp 1.000 Mieterparteien alleine in Waidmannslust kommt da leicht ein erkleckliches Sümmchen zusammen – insgesamt besitzt die GSW rund 75.000 Wohneinheiten. Für die Initiative ist das Grund genug, nicht nur Berlins Regierenden Bürgermeister Wowereit (SPD) um Hilfe zu bitten, sondern vor Gericht zu ziehen. Rund 50 Verfahren wurden bereits angestrengt und die ersten sechs davon bereits gewonnen. Das Angebot der GSW, die Auseinandersetzung gegen eine Zahlung von 35.000 Euro beizulegen, kommt für die Mieter nicht in Frage – kein Wunder, entspräche die Summe doch in etwa 35 Euro pro Mietpartei.

Für die GSW sind die hohen Nebenkosten allesamt korrekt, schließlich stiegen die Preise für Energieträger wie Öl und Gas in den letzten Jahren beträchtlich, erklärte der GSW-Sprecher Thomas Rücker und bedauerte gleichzeitig, dass diese auf die Mieter umgelegt werden müssen. Dabei wird der GWS aber nun vermehrt auf die Finger geschaut: Sowohl Mieterinitiative als auch der Reinickendorfer Stadtrat Andreas Höhne (SPD) beobachten genau, ob sich die GSW bei Hartz-IV Empfängern schadlos hält – diese zahlen die Nebenkosten schließlich nicht selber.




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2 Kommentare zu Berliner Mieter wehren sich gegen hohe Nebenkostenabrechnungen

  1. gswopfer sagt:

    Hallo, wohne in Kreuzberg und bin ebenfalls betroffen, man müßte alle ähnlichen Fälle stadtweit sammeln und dagegen vorgehen!

  2. gswopfer sagt:

    ..und der glorreichen Regierung, welche die GSW ja an Cerberus verscherbelt hat, ordentlich auf den Schlips treten!

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