Energieausweis: Hält oft nicht, was er versprechen sollte

26. Oktober 2009 | von

Der Energieausweis sollte ein großer Wurf werden: Die energetische Bewertung eines Gebäudes soll neuen Mietern Orientierung bezüglich des zu erwartenden Energieverbrauches geben und Vermietern als Anreiz für eine energetische Modernisierung dienen, schließlich wird in Zeiten stetig steigender Nebenkosten wohl niemand mehr eine Energieschleuder mieten oder kaufen. Seine gesteckten Ziele hat der Energieausweis noch nicht erreicht.

15.000 Euro Geldbuße drohen, wenn ein Hauseigentümer bei der Vermietung oder beim Verkauf eines Gebäudes keinen korrekten und vollständigen Energieausweis vorzeigen kann. Dennoch besitzt noch längst nicht jedes Gebäude einen solchen Ausweis, obwohl dieser spätestens seit dem 1. Januar dieses Jahres für alle Wohngebäude und seit Jahresmitte auch für öffentliche Gebäude Pflicht ist. Auch anderweitig ergeben sich Probleme – der von der Deutschen Energieagentur (dena) erhoffte Modernisierungseffekt hat sich nach einem Bericht der Financial Times Deutschland noch nicht eingestellt.

Das liegt nach Ansicht der Experten des Deutschen Energieberater-Netzwerkes an den handwerklichen Mängeln des Energieausweises. Dessen zentrale Energiekennzahl ergibt sich aus dem Energieverbrauch bezogen auf die Wohnfläche, sagt aber nichts Konkretes über die Einsparmöglichkeiten. Auch die potentiellen Kosten einer Modernisierung in Bezug auf den Nutzen kommen kaum zur Sprache. Hinzu kommt, dass mit dem Energieverbrauchsausweis eine der beiden Ausweisvarianten lediglich die verbrauchte Energie misst – und die ist bekanntlich höchst individuell, schließlich haben es viele gern mollig warm, während andere lieber einen Pullover anziehen, statt die Heizung aufzudrehen. Und auch die Ausstellung selber steht in der Kritik, denn es gibt keine einheitliche Vergabestelle. Stattdessen können die unterschiedlichsten Berufsgruppenden den Ausweis ausstellen, was die Vergleichbarkeit erschwert.

Die Absicht der dena ist dennoch nachvollziehbar. Ein Großteil der Wohngebäude in Deutschland wurde gebaut, als Wärmedämmung und Energiesparen noch Fremdwörter im deutschen Sprachschatz waren. Dementsprechend schlecht sind viele Gebäude gedämmt und präsentieren sich mit heutigen Maßstäben als wahre Energieschleudern. Fachleute schätzen, dass bis zu 60 Prozent der Energiekosten durch neue Fassadendämmungen, Fenster und Dächer eingespart werden können.

Genau hier kann die Energieberatung durch einen Energieberater ansetzen. Bei diesen Energieschleudern kann nur durch einen Fachmann das Einsparpotenzial erkannt werden. Energieberater sind speziell ausgebildet um Schwachstellen zu erkennen und ein Energieberater weiss welche Massnahmen getroffen werden können, um auf diesem Weg viel Energie und somit auch Kosten zu sparen. Hier schliesst sich der Kreis. Der Energieausweis soll die Bevölkerung für das Thema Energiesparen sensibilisieren.




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