Die Schlafzimmertür ist Pflicht

29. Oktober 2009 | von

Sie hält unerwünschte Personen aus der Wohnung fern, versperrt neugierige Blicke und unangenehme Gerüche: die Tür. Sie gehört in einer Ferienwohnung in Form einer Schlafzimmertür sogar zwingend zum Inventar, wie das Amtsgericht Leer urteilte. Andernfalls kann die Reise als „nutzlos aufgewendete Urlaubszeit“ verbucht werden.

Lebensweise und Lebensgefühl verschiedener Kulturkreise haben sich über die Jahrhunderte auch in der Architektur manifestiert, weshalb viele Urlauber die individuellen Ferienhäuser oft den anonymen Bettenburgen vorziehen – doch eines ist fast überall das gleiche: Das Schlafzimmer braucht eine Tür.

So oder so ähnlich dachte wohl auch eine Urlaubsgruppe aus vier Erwachsenen, die zum Entsetzen aller bei der Ankunft im Ferienhaus keine Tür zum Schlafzimmer vorfand. Stattdessen war zwischen Schlafgemach und der restlichen Wohnung lediglich ein trennendes Tuch installiert. Zu wenig der Intimsphäre und genug des Grundes, den Vermieter auf Schadensersatz zu verklagen, denn verärgert zogen die verhinderten Urlauber ins Hotel, wo sie allerdings nur wenige Tage bleiben durften. Der Urlaub war dennoch dahin, der Vermieter des Ferienhauses sollte doch bitteschön die Anzahlung erstatten sowie eine Entschädigung zahlen.

Ganz ähnlich sah das auch das Amtsgericht Leer in einer Entscheidung aus dem Jahre 2007. Die Abstinenz einer Schlafzimmertür sei ein Reisemangel, den die Urlauber nicht akzeptieren brauchen. Wenn trotz intensiver Suche kein Ersatz für die Wohnung gefunden wird, kann eine Entschädigung für “nutzlos aufgewendete Urlaubszeit” gefordert werden, zudem müsse die Miete für das Ferienhaus nicht bezahlt werden. Im konkreten Fall billigte das Gericht den Urlaubern für die drei entgangenen Urlaubstage eine Entschädigung in Höhe von 300 Euro zu.

AZ 70 C 1299/07




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