Klimaschutzsiedlung: Ökohäuser für NRW

14. Dezember 2009 | von

Eine Stadt tief im Ruhrpott will Umweltschutz-Vorreiter sein: In Gelsenkirchen wird die erste „Klimaschutzsiedlung“ Nordrhein-Westfalens gebaut – 99 weitere sollen im gesamten Bundesland entstehen. Damit könnten nach und nach die Erben des schnellen Wachstums der Region verschwinden: Wohnsiedlungen, die nach heutigen Maßstäben wahre Energieschleudern sind.

Das „Land von Kohle und Stahl“ galt mit seinen unzähligen Stahlhütten und Zechen einst nicht nur als eines der wichtigsten Industriezentren Europas, sondern auch als einer der schmutzigsten Flecken der Republik. Industrieschlote und Kohlekraftwerke bildeten eine Skyline, die man auf keiner Postkarte finden wird, und überzogen die Region mit einer Dunstglocke, die sonst nur von der Chemieregion um Bitterfeld Konkurrenz bekam. In den Zeiten des großen Booms war kein Platz für Umweltschutz – erst der schleichende Untergang der Montanindustrie sorgte wieder für bessere Luft in der Region.

Die Schwerindustrie hat aber nicht nur riesige Tagebaulöcher und Industriebrachen hinterlassen, sondern auch hastig gewachsene Arbeitersiedlungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert – Zeiten, in denen Wörter wie Umweltschutz und Wärmedämmung nicht gerade im alltäglichen Sprachgebrauch zu finden waren. Eben jene Siedlungen bilden nun ein zweites, belastendes Erbe. Schlecht gedämmt und oft mit altertümlichen Heizungen ausgestattet, sind sie nun wahre Energieschleudern, die nur noch die großen Energiekonzerne glücklich machen.

Gelsenkirchen – das Synonym für “Maloche” will Vorreiter sein.

Doch auch wie beim Strukturwandel der Region hin zu Dienstleistungen und moderner, umweltfreundlicher Industrie, will NRW auch hier Vorreiter sein. Allen voran Gelsenkirchen, das bereits mit der „größten Photovoltaik-Wohnsiedlung Deutschlands“ erste Ausrufezeichen gesetzt hat, möchte nun mit der ersten „Klimaschutzsiedlung“ Nordrhein-Westfalens ein weiteres Signal senden. Das Passivhausprojekt soll mit einer exzellenten Dämmung, der Nutzung von Solarenergie, moderner Heiztechnik und Wärmerückgewinnung in der Lüftung die bereits strengen Anforderungen der Energieeinsparverordnung um mehr als die Hälfte unterbieten.

„Es freut mich außerordentlich, dass die erste nordrhein-westfälische Klimaschutzsiedlung in Gelsenkirchen erbaut wird. In unmittelbarer Nähe zum Wissenschaftspark wird hier der Baustandard der Zukunft realisiert und zeigt eindrucksvoll den Strukturwandel im Ruhrgebiet“ zeigte sich die Wirtschaftsministerin des Bundeslandes Christa Thoben, begeistert und verwies auf die Chancen der Siedlung: „Dieses Projekt leistet einen Beitrag zum Klimaschutz und schafft gleichzeitig Arbeitsplätze und neue Zukunftsperspektiven in der Baubranche.“

Auch der Gelsenkirchener Oberbürgermeister Frank Baranowski sieht die Chancen hinter dem vorrangig ökologischen Zweck: „Die Klimaschutzsiedlung ist ein idealer Auftakt für unsere städtebaulichen Erneuerungen rund um den Bau des neuen Justizzentrums und wird die Gelsenkirchener Neustadt und die Bochumer Straße aufwerten“

Ab dem Frühjahr 2010 sollen nach Plänen des Architekten Helmut Mohr insgesamt vier viergeschossige Gebäude mit 56 barrierefreien Wohneinheiten zwischen 45 m² und 82 m² im Passivhausstandard entstehen.




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