Orkantief „Xynthia“: Welcher Schaden ist wie versichert?

1. März 2010 | von

Orkantief „Xynthia“ ist gestern mit Geschwindigkeiten von bis zu 166 Stundenkilometern durch Deutschland gezogen und hat Schäden in Millionenhöhe verursacht. Betroffene müssen sich nun wieder in den Dialog mit ihrer Versicherung treten. Doch welche Schäden an der Immobilie sind eigentlich mit welcher Police gedeckt?

Kaum ist Väterchen Frost erfolgreich aus Deutschland vertrieben worden, stehen Tante Hochwasser und Onkel Sturm vor der Tür. Überraschend kommt dies nicht, schließlich hat Deutschland mit dem Oderhochwasser 2002 und Orkan „Kyrill“ 2007 in letzter Zeit durchaus Erfahrungen mit größeren Naturereignissen sammeln können. Dennoch gestaltet sich eine adäquate Vorbeitung auf rauhe Winde und steigende Pegel Jahr für Jahr schwierig. Und wenn dann Dachziegel auf Wanderschaft gehen und Bäume wie Bahnschranken umkippen, fragen sich Immobilienbesitzer jedes Mal, ob die Versicherung die Schäden übernimmt.

Grundsätzlich sollten die entstandenen Schäden dem Versicherer möglichst zeitig gemeldet und gut dokumentiert werden. Dank Internet und Digitalkameras geht dies inzwischen auch ohne größeren Aufwand und Papierkrieg vonstatten. Die Versicherten sollten zudem Maßnahmen treffen, um weiteren Schaden zu verhindern oder zu minimieren – zum Beispiel sollten heruntergefallene Dachziegel weggeräumt werden oder umgestürzte Bäume von der Straße geschafft werden. In den Abfall wandern sollten in Mitleidenschaft gezogene Gegenstände allerdings nicht – die Versicherung hat immerhin das Recht, den Schaden selbst zu begutachten. Da ist es nicht von Vorteil, wenn beschädigte Sachen schon entsorgt wurden.

Grundlegenden Schutz gegen die Folgen eines Naturereignisses bietet die Hausratversicherung. Sie deckt die aus einem Sturm entstehenden Folgeschäden an Haushaltsgegenständen. Werden zum Beispiel Möbel durch Wassereinfall wegen eines durch den Sturm beschädigten Daches in Mitleidenschaft gezogen, kommt die Hausratversicherung für den Schaden an der Einrichtung auf. Auch an der Außenseite des Gebäudes angebrachte Gegenstände wie Markisen sind versichert.

Nicht unter die Hausratversicherung fallen dagegen alle Schäden am Gebäude. Diese müssen mit einer speziellen Wohngebäudeversicherung abgedeckt werden. Diese greift, wenn das Sturmrisiko in der Police explizit mitversichert ist, bei typischen Schäden durch Sturm ab Windstärke 8, was einer Geschwindkeit von 62 km/h entspricht. Zu den Sturmschäden gehören dabei abgedeckte Dächer und Schäden durch umfallende Bäume, abgerissene Markisen und Satanlagen sowie durch ein Leck entstandene Wasserschäden.

Wer in einer für Naturereignisse anfälligen Gegend wohnt, kann sich gegen Elementarschäden oft nur mit hoher Selbstbeteiligung oder im schlechtesten Fall auch gar nicht versichern. Mehr Glück haben Bewohner anderer Gebiete. Sie haben mit der Elementarschadenversicherung die Möglichkeit, die Hausrat- und Wohngebäudeversicherung sinnvoll zu ergänzen, da sie Schäden durch Grundwasser, Hochwasser und Witterungsniederschläge sowie einen möglicherweise dadurch entstehenden Wasserrückstau einschließt.

Für den ungünstigsten Fall, dass die Versicherung überhaupt nicht zahlt, können Privatpersonen die Sturmschäden unter Umständen immernoch als aussergewöhnliche Belastung steuerlich geltend machen. Auch wenn hier nicht der komplette Schaden, sondern ein um die „zumutbare Eigenbelastung“ verminderter Betrag erstattet wird, ist dies immerhin noch mehr als nichts.




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