Energie: Deutsche wollen Strom intelligenter nutzen

3. März 2010 | von

Trotz der Möglichkeit der Auskundschaftung von Verbrauchsgewohnheiten und Verhaltensweisen durch die Stromkonzerne will eine Mehrheit der Deutschen eine Nachrüstung älterer Wohnungen mit digitalen Stromzählern, den sogenannten Smart Metern. Das ergab eine Umfrage des IT-Branchenverbandes BITKOM.

Datenschützer schlagen bei der leichtfertigen Preisgabe von privaten Details in sozialen Netzwerken pausenlos die Hände über den Kopf zusammen und auch die Polizei ist nicht gerade glücklich, dass tausende ihren Urlaub und die damit bevorstehende heimische Abwesenheit bei Facebook oder Twitter öffentlich verkünden. Da verwundert es nicht, dass laut einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts Aris im Auftrag der BITKOMM auch eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Deutschen kein Problem mit einer sekundengenauen Analyse ihres Stromverbrauchs hat.

Genau dies leisten die „Smart Meter“ genannten digitalen Stromzähler, die seit Anfang Januar in Neubauten Pflicht sind und deren Einbau auch in ältere Wohnungen knapp 60 Prozent der Befragten fordern. Im Gegensatz zu ihrem althergebrachten Vorgänger mit der sich mal hektisch, mal gemächlich drehenden Ferrarisscheibe protokollieren sie den Verbrauch sekundengenau und erlauben so eine Analyse des Verbrauchsverhaltens. Das hat nicht nur Vorteile für die Stromversorger, die nun besser über ihre Kunden Bescheid wissen, auch die Verbraucher selber können ihre Stromnutzung genauer messen – und sich gegebenfalls nach zeitbasierten Tarifen umsehen.

40 Prozent der ingesamt 1.000 Befragten würden einen solchen zeitabhängigen Tarif nutzen und dann die Waschmaschine erst um 23.00 Uhr anstellen, um den zu dieser Zeit besonders günstigen Strompreis auszunutzen. Um die Stromnetze für eine solche individuelle Nutzung fit zu machen, sind allerdings noch gewaltige Anstrengungen nötig. „Der Umbau des bestehenden Energienetzes ist eine Herkules-Aufgabe, aber die Anstrengungen werden sich ökologisch und ökonomisch lohnen – sie sind aus BITKOM-Sicht absolut zwingend“ analysiert Martin Jetter, Präsidiumsmitglied des BITKOM.

Doch auch auf die Stromversorger kommen große Aufgaben zu. Stromtarife müssen flexibilisiert, einheitliche Standards ausgearbeitet werden. „Der Energiemarkt steht vor einem grundlegenden Umbruch. Das Internet der Energie kommt, und Millionen Haushalte werden aktiv mitmachen. Für den Aufbau müssten aber die technologischen und regulatorischen Voraussetzungen geschaffen werden“ so Jetter weiter. Derzeit werden in den USA 8 Milliarden US-Dollar in 100 E-Energy-Modellregionen investiert, während es in Deutschland lediglich 140 Millionen Euro in sechs Regionen sind.




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