Wohnraum als Luxusgut? Verbände schlagen Alarm beim Thema Wohnungsnot

18. März 2010 | von

Das ging fix: Da hatte das Statistische Bundesamt gerade erst die leicht ansteigenden Zahlen beim Wohnungsneubau verkündet, schon beherrscht das Thema Wohnungsnot wieder die Schlagzeilen. Verbände, Bauunternehmen und Mieterbund warnen in einer Studie vor den existenzbedrohenden Folgen des schleppenden Wohnungsneubaus für Rentner und Alleinstehende vor allem in Großstädten.

Der jüngst vom Statistischen Bundesamt vermeldete Anstieg bei Genehmigungen für Wohnbauten kann nicht darüber hinwegtäuschen: In Deutschland werden seit Jahren zu wenig neue Wohnungen gebaut. Selbst die Steigerung der Neubauten um 1,9 Prozent in 2009 bringt keine Trendwende, denn die 3.300 mehr genehmigten Wohnbauten im Vergleich zu 2008 kann man getrost unter „homöopathische Dosis“ einordnen, zumal eine Studie jüngst festgestellt hat, dass Deutschland mit im Schnitt 1,7 fertiggestellten Wohneinheiten je 1.000 Einwohner auf dem letzten Rang im Europavergleich landet. Nach Angaben des Mieterbundes werden statt der knapp 175.000 fertiggestellten Wohnungen über 200.000 neue Wohnungen pro Jahr benötigt.

Deshalb schlagen die unter der Initiative „Impulse für den Wohnungsbau“ firmierenden Mieter-, Bau und Wohnungsverbände mit einer in Zusammenarbeit mit Prognos erstellten Studie Alarm. Fehlende Wohnungen, Mietsteigerungen und geringe Einkommen könnten einen gefährlichen Mix ergeben, der vor allem für zukünftige Rentnergenerationen und Singles gefährlich werden könnte. Wer nicht über genug Einkommen verfügt – das heißt, weniger als 1.774 Euro Netto monatlich –, müsse Einschnitte bei Lebensstandard und Wohnqualität fürchten. Laut Studie sind diese Auswirkungen nicht auf einzelne Metropolen beschränkt, sondern drohen bis 2025 in drei Viertel der Regionen Deutschlands.

Der Präsident des Deutschen Mieterbundes (DMB), Dr. Franz-Georg Rips, befürchtet, dass „soziale Spannungen mit allen negativen Folgen wie Ghettobildung und Kriminalität programmiert sind, wenn die Bundesregierung den Wohnungsbau nicht ankurbelt“. Dem steigenden Bedarf an kostengünstigem Wohnraum steht ein fast zum Erliegen gekommener sozialer Wohnbau gegenüber. Dr. Hans Georg Leuck, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerksbau, fordert deshalb „eine entscheidende Wende in der Wohnungsbaupolitik“, um „einer Zwei-Klassen-Gesellschaft beim Wohnen entgegenzuwirken“.

Um den negativen Folgen mangelnden Wohnraumes zu begegnen und den Wohnungsbau anzukurbeln, sollen die Abschreibemöglichkeiten für Wohngebäude wieder verbessert werden, die Gleichstellung von Sanierung und Neubau in den KfW-Förderprogrammen sowie eine Aufstockung und Erweiterung der KfW-Förderung für altersgerechtes Bauen und Bestandsersatz.

Die Studie der Kampagne “Impulse für den Wohnungsbau als Download.

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