Letzten Platz in Europa: Wohnungsbau in Deutschland auf dem Tiefpunkt

19. März 2010 | von

Der Wohnungsneubau in Deutschland hat einen neuen Tiefstand erreicht. Auch im internationalen Ranking bleibt die Zahl der neu gebauten Wohnungen weit hinter seinen europäischen Nachbarn zurück. Das ergab eine aktuelle Bauprognose von Euroconstruct. Eine verheerende Wohnungsnot muss dabei jedoch noch nicht befürchtet werden.

Die Situation des Wohnungsneubaus in Deutschland hat diese Woche für einigermaßen Aufregung gesorgt. Erst vermeldete das Statistische Bundesamt einen leichten Anstieg der Baugenehmigungen im vergangenen Jahr, dann warnten verschiedene Verbände vor einer Wohnungsnot in Deutschland. Auch die Zahlen einer Studie von Euroconstruct und LBS sind wahrlich kein Ruhmesblatt für Deutschland.

Denn während der Wohnimmobilienmarkt in Deutschland im Europa-Vergleich als einer der wertstabilsten gilt, sehen die Zahlen beim Wohnungsbau weitaus weniger rosig aus. Bereits im sechsten Jahr in Folge befindet sich Deutschland auf dem letzten Tabellenplatz in punkto Wohnungsbau in Europa, wie die von der LBS veröffentlichte aktuelle Bauprognose von Euroconstruct ergab. So entstehen der Prognose zufolge 2010 gerade einmal 1,7 neue Wohnungen pro 1.000 Einwohner in der Bundesrepublik, neben den jüngsten Bedarfsprognosen ein zusätzlicher Beweis für die immer noch vorhandenen Defizite im deutschen Neubau.

Der Blick auf die europäischen Nachbarn zeigt den großen Vorsprung von Ländern wie Frankreich mit 4,9 Fertigstellungen pro Tausend Einwohner oder Österreich mit 4,7. Neuer Spitzenreiter der Rangliste ist die Schweiz, in der mit einem Wert von 6,3 fast viermal so viele Wohnungen entstehen sollen wie in Deutschland. Insgesamt weisen tatsächlich alle untersuchten Anrainerstaaten eine mehr als doppelt so hohe Neubauintensität auf als die Bundesrepublik.

Mitte der neunziger Jahre sah die Situation noch ganz anders aus. 1996 lag Deutschland mit 6,8 Neubauwohnungen pro 1.000 Einwohner auf Platz 2 der europäischen Neubau-Tabelle gleich hinter Irland mit 9,5 pro 1.000 Einwohner. Demnach hat sich die Bautätigkeit in der Bundesrepublik auf weniger als ein Drittel reduziert, während andere Länder über die Jahre einen echten Boom erfuhren. Noch vor drei Jahren standen an der Spitze Irland und Spanien mit über 17 Wohnungen pro 1.000 Einwohner, während Deutschland schon seit 2005 seinen Platz ganz am Ende der Rangliste einnimmt.

Der europäische Vergleich bestätigt den Befund aus aktuellen Bedarfsprognosen: Bereits eine im Januar 2009 durchgeführte Umfrage der LBS unter den führenden deutschen Wohnungsmarktforschungsinstituten demonstrierte eine beträchtliche Lücke zwischen Neubau und Bedarf. Aus diesem Grund erwarten Experten noch bis 2025 einen Neubaubedarf zwischen 270.000 und 350.000 Wohneinheiten in Deutschland.
Wer infolge dieser Zahlen eine große Wohnungsnot befürchtet, kann jedoch beruhigt werden, denn das Ifo-Institut prognostizierte, dass sich der Wohnungsneubau in Deutschland von seinem aktuellen Tiefstand erholen und bis zum Jahre 2012 um 28 Prozent zulegen wird.




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Ein Kommentar zu Letzten Platz in Europa: Wohnungsbau in Deutschland auf dem Tiefpunkt

  1. iLLNESS sagt:

    Not bad article, but I really miss that you didn’t express your opinion, but ok you just have different approach

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