Gewerkschaft warnt: hunderttausende altersgerechte Wohnungen fehlen

7. April 2010 | von

Der mangelnde Wohnungsneubau und die fortschreitende Alterung der Gesellschaft bergen ein explosives Problemgemisch: Bald könnten hunderttausende seniorengerechte Wohnungen fehlen. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt warnt vor möglichen sozialen Konfliken durch die unzureichende Vorbereitung des Wohnungsmarktes auf den demografischen Wandel.

Bis 2020 könnten nach Angaben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt 550.000 altersgerecht ausgebaute Wohnungen in Deutschland fehlen. „Nur etwa 250.000 Wohnungen sind derzeit seniorengerecht ausgebaut“, erklärt der Vorsitzende der IG BAU, Klaus Wiesehügel, dazu. Der Bedarf an altersgerechten Wohnungen würde in den nächsten zehn Jahren aber auf knapp 800.000 anwachsen, da der Anteil der Menschen mit einem Alter von 70 Jahren und mehr bis dahin rasant anwächst. 2020 werden knapp 13,6 Millionen der Menschen in Deutschland 70 Jahre oder älter sein – mit einem entsprechenden Bedarf an tauglichem Wohnraum.

Die günstigere ambulante Pflege braucht eine taugliche Infrastruktur

Wiesehügel verweist in diesem Zusammenhang auf mögliche persönliche und wirtschaftliche Konsequenzen für Senioren und Steuerzahler. So werde für die gegenüber einem Heimaufenthalt deutlich günstigere ambulaten Pflege eine entsprechend ausgestattete Wohnung benötigt. „Wenn ältere Menschen wegen mangelnder Barrierefreiheit in der eigenen Wohnung nicht mehr ambulant gepflegt werden können, bleibt nur die Unterbringung in Pflegeheimen“, die nicht nur eine Belastung für Senioren darstelle, da diese ihr gewohntes Umgebund verlassen müssen, sondern auch enorme Kosten für Sozialversicherungsträger und den Staat verursachen. „Wenn allein 10.000 Heimaufenthalte vermieden werden können, bedeutet dies jährliche Einsparungen von rund 200 Millionen Euro“, rechnet Wiesehügel potentielle Einspareffekte vor.

Soziale Konflikte drohen

In diesem Zusammenhang warnt die Industriegewerkschaft auch vor einer „Zwei-Klassen-Wohn-Gesellschaft“. Bezahlbarer Wohnraum sei wegen sinkender Alterseinkommen und steigender Mieten für Ältere immer schwerer zu finden. Dies berge sozialen Konflikstoff, so der Gewerkschafter. Die Politik müsse bessere Rahmenbedingungen für die altersgerechte Sanierung und den Neubau von Wohnraum sorgen.
Bereits Mitte März schlug die aus mehreren Verbänden, darunter auch die IG Bauen-Agrar-Umwelt, bestehende Initiative „Impulse für den Wohnungsbau“ Alarm. Wohnraum werde immer mehr zu einem Luxusgut, wenn der Staat keine besseren Bedingungen für Sanierung und Neubau schaffe.




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