Solarbranche fürchtet um Existenz

21. April 2010 | von

Weil die Förderung für Solaranlagen gekürzt wird, bangen die deutschen Solarkonzerne nicht nur um Arbeitsplätze in ihrer Branche, sondern gleich um ihre Existenz. Dabei sind die Aussichten sonnig: Der Chef des Solarzellenherstellers Solarworld sagt voraus, dass der Sonnenstrom schon bald deutlich günstiger wird.

Es wird eng in der Solarbranche: Zum 1. Juli plant der Bund, die Solarförderung um teilweise bis zu 16 Prozent zu kürzen. Frank Asbeck, Chef des Photovoltaikfirma Solarworld, hält dies für kaum vertretbar, wie er in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ äußerte. Auf die Meinung von Kritikern, es wäre sogar eine Kürzung von mehr als 16 Prozent sinnvoll, reagiert er pessimistisch: Eine solche Verknappung der Förderung wäre „das Ende eines Großteils der Branche“. Bereits im Januar waren die Fördermittel um 10 Prozent gekürzt worden.

Schon 2009 hatte Solarworld als einziger deutscher Solarhersteller Gewinn gemacht, während seine Mitbewerber größtenteils Verluste zu verbuchen hatten. Frank Asbecks Befürchtung: „Wenn uns auf dem deutschen Markt der Hals umgedreht wird, dann gehen unsere 60.000 Arbeitsplätze auch noch nach China – wie vorher die anderen deutschen High-Tech-Industrien.“

Durch die dort üblichen Niedriglöhne, niedrige Umweltstandards und eine zusätzliche Förderung durch Staatskredite können Solarmodule aus asiatischer Produktion in Deutschland zu Dumpingpreisen angeboten werden, so Asbeck weiter. Ziel der chinesischen Konkurrenten sei es, die deutsche Solarindustrie mit dem Einsatz von Billiganlagen vom Markt zu verdrängen. Die einzige Chance, das zu verhindern, sei der technologische Vorsprung Deutschlands.

Der Solarworld-Chef prophezeit überdies, dass Solarstrom ab 2012 nicht nur weitaus günstiger sei als derzeit, sondern auch nicht mehr kosten würde als „normaler“ Haushaltsstrom. In Deutschland könnten dann auch ohne die Unterstützung durch Solarförderung Solaranlagen gekauft werden. „Die Bürger werden dann auch ohne Förderung per EEG-Umlage sagen: Ich kann mir meinen Strom auf dem Dach selber erzeugen. Das bedeutet: Unser Stromsystem wird sich völlig ändern. Die Bürger sind nicht mehr nur Konsumenten, sondern auch Produzenten. Das System wird dezentral und demokratischer. Daher ist der Widerstand der Stromkonzerne und ihrer Helfer auch so wahnsinnig groß“, so Asbeck gegenüber der „Frankfurter Rundschau“.

An diesem Mittwoch findet im Bundestag eine Anhörung zu den Kürzungsplänen des Bundes statt; die Entscheidung könnte nächste Woche im Parlament fallen. Die Mehrheit der Bundesländer hat diesbezüglich jedoch bereits Korrekturwünsche angemeldet.




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