Liebon: Orden kauft sächsisches “eBay-Dorf”

28. April 2010 | von

Es war eines der außergewöhnlichsten Immobilienangebote im vergangenen Jahr: Mit dem sächsischen Liebon stand ein komplettes Dorf beim Internetauktionshaus ebay zum Verkauf. Da die „Ortschaft“ allerdings nur aus einem Ortseingangsschild und mehr oder weniger verfallenen Gebäuden bestand, fand sich lange kein Käufer. Das hat sich nun geändert – ein christlicher Orden sicherte sich das Areal.

Mein Ortseingangsschild, meine Bushaltestelle, mein Dorf: Mit diesen drei Trümpfen hätte man im Poserquartett wirklich jeden Schnösel mit dickem Auto und protziger Villa locker ausstechen können.

Doch leider war die Sache mit einigen Nachteilen verbunden und davon war der Kaufpreis von 300.000 Euro wohl noch das kleinste Übel: die Ortschaft, die bei ebay verkauft werden sollte, besteht lediglich aus einigen Häusern eines Hofes, deren Zustand mit „bemitleidenswert“ noch wohlwollend beschrieben ist und die sich zu allem Unglück noch irgendwo in der ostsächsischen Diaspora zwischen Bautzen und Dresden befinden.

Hat man diesen Flecken Erde erstmal auf der Landkarte gefunden, wird die ganze Dimension Liebons deutlich: Vierseitenhof, Spielplatz und 20 Meter Straße. Kein Wunder also, dass die derzeit noch acht Bewohner das Weite suchen wollen und seit über einem Jahr kein Käufer gefunden wurde. Doch nun ist es soweit – Liebon bekommt einen neuen Besitzer. Bei den stolzen Käufern handelt es sich um den ökumenische Cassianiter-Orden, der so einiges mit dem Dorf vorhat.

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Nach Angaben Peter Valentins, seineszeichens Prior des Ordens, soll eine internationale Begegnungsstätte für traumatisierte Kinder entstehen, die auf dem Hof mit gesunden Kindern spielen und lernen sollen. Dazu wird die Herberge umfassend saniert und um einen Streichelzoo erweitert. Zudem ist geplant, per Blockheizkraftwerk, Solar- und Windkraftanlagen und einem Pflanzenklärwerk möglichst ökologisch korrekt Energie zu gewinnen. Der Orden, der sich hauptsächlich mit Maria Magdalena beschäftigt und bisher vor allem in Frankreich aktiv war, will insgesamt rund eine Million Euro investieren.




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Ein Kommentar zu Liebon: Orden kauft sächsisches “eBay-Dorf”

  1. Fred sagt:

    Familie Schmidt ist aus Hoyerswerda dorthin umgezogen,eben weil sie diese Ruhe und Abgelegenheit suchte. wenn ich in diese Abgechiedenheit ziehe, weiß ich das es weit ist bis zum Einkaufen, zum Arzt … und bin aufs Auto angewiesen,schade nur das der älteste Sohn seine Eltern dort hängen lassen hat, denn allein wären die nie dorthin gezogen.
    Jetzt wird immer so getan das sie dort weg wollen, weil es zu abgelegen ist, völliger Quatsch. Bekannt wurde das Dorf durch den Auftritt bei Günter Jauch.

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