Strom im Urlaub abgestellt: Hausverwaltung muss für Schaden zahlen

5. Mai 2010 | von

Während einer Urlaubsreise wurde einem Paar aufgrund eines von der Hausverwaltung fälschlich gemeldeten Mieterwechsels der Strom abgestellt. Das Stromversorgungsunternehmen trifft keine Schuld, urteilte des Amtsgericht München. Stattdessen müssen die Hausverwalter für den Schaden aufkommen.

Ein Paar erlebte bei der Rückkehr aus ihrem elftägigen Italienurlaub ein böses Erwachen: Aus ihrem Kühl- und Gefrierschrank floss eine wenig appetitliche Brühe und beim Öffnen der Türen verbreitete sich ein unangenehmer Fäulnisgeruch. Die Ursache für die unerfreuliche Überraschung ließ sich schnell feststellen: In der gesamten Wohnung gab es keinen Strom.

Die Mieter beschwerten sich daraufhin beim Stromversorgungsunternehmen, nur um dort zu erfahren, dass der Strom im Auftrag der Hausverwaltung abgeklemmt wurde. Mehr noch: Der Versorger hatte extra nachgefragt, ob das Abstellen des Stroms wirklich eine notwendige Maßnahme sei. Da die Hausverwaltung irrtümlich einen Mieterwechsel angezeigt hatte, bestätigte sie den Auftrag.

Das Paar wollte daraufhin die verdorbenen Lebensmittel von der Hausverwaltung ersetzt bekommen und gleich dazu Schadensersatz für die Haushaltsgeräte, die aufgrund des Schimmels und Geruchs nicht mehr zu gebrauchen seien. Da weder die Hausverwalter noch das Stromversorgungsunternehmen zu einer Zahlung bereit waren, zog das Paar vor das Amtsgericht München. Dieses sprach ihm einen Anspruch gegen die Hausverwaltung, nicht aber gegen den Stromversorger zu.

Bei einem Vertrag zwischen Vermieter und Hausverwaltung handle es sich um einen Vertrag mit Schutzwirkung zugunsten des Mieters. Meldet die Hausverwaltung dem
Stromversorgungsunternehmen also irrtümlich einen Mieterwechsel und stellt dieses
darauf hin den Strom ab, haben die betroffenen Mieter gegenüber der Hausverwaltung einen
Schadenersatzanspruch, wenn Lebensmittel auf Grund der fehlenden Kühlung verderben. Auch für die Reinigung der Geräte kann eine Schadensersatzzahlung verlangt werden, allerdings nicht für den vollständigen Ersatz der Geräte.

Gegen das Stromversorgungsunternehmen gebe es allerdings keinen Anspruch, entschied die zuständige Richterin. Da dieses sich noch einmal durch Nachfrage vergewissert habe, träfe es keine Schuld. Es habe sich auf die Angaben der Hausverwaltung verlassen dürfen. Ob die Hausverwaltung Berufung gegen das Urteil einlegen wird, ist noch offen.

Urteil des AG München vom 10.3.2010, AZ 212 C 16694/09




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3 Kommentare zu Strom im Urlaub abgestellt: Hausverwaltung muss für Schaden zahlen

  1. Pingback: Rechte als Mieter: Hausverwaltung vom Amtsgericht München zu Schadenersatz verurteilt | Immobilien-Blog

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  3. Betriebskosten sagt:

    Für mich nicht ganz so verständlich das Urteil, schließlich hätte der Versorger eine Unterschrift vom Kunden (In diesem Fall der Mieter) bekommen müssen. Und warum baut der Versorger einer Ummeldung den Zähler aus? Alles sehr kurios.

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