Immofonds-Krise: Kanam und SEB schließen offene Fonds

7. Mai 2010 | von

Kaum hatte das Finanzministerium seine Vorschläge zur Regulierung von Immobilienfonds vorgestellt, mussten nun die Fonds Kanam Grundinvest und SEB Immoinvest wegen fliehender Anleger geschlossen werden. Investoren sind nervös, die Immobilienfonds-Krise verschärft sich zunehmend.

Das Finanzministerium plant in einem kürzlich vorgelegten Diskussionsentwurf die Änderung des neuen Investmentgesetzes und damit die Regulierung offener Immobilienfonds. So soll die Rückgabe von Anteilsscheinen an Kündigungsfristen gebunden werden, was die Verfügbarkeit der Anteile reduzieren würde. Außerdem fordert das Ministerium eine Senkung der Immobilienwerte um mindestens 10 Prozent.

Anleger reagieren darauf panisch und mit eiligen Verkäufen. So beschlossen die Gesellschaften KanAm und SEB am Donnerstag, ihre Fonds Kanam Grundinvest beziehungsweise SEB Immoinvest zu schließen; die Rücknahme der Anteile aus dem Fonds ist somit mit sofortiger Wirkung ausgesetzt.

Laut Kanam Grund habe es unmittelbar nach Bekanntgabe zu starken Mittelabflüssen im dreistelligen Bereich geführt, da die Anleger vorsorglich ihre Bestände aufgelöst hätten. Alle Verkaufsaufträge, die seit gestern um 11.30 Uhr eingehen, werden darum bis auf weiteres nicht mehr ausgeführt. Kanam Grund will die Anteilsrücknahme vorerst für drei Monate aussetzen, auch die Ausgabe von Anteilen ruht vorerst. Begründet wird dies damit, dass man interessierten Anlegern die Möglichkeit geben wolle, sich ausreichend über die Situation zu informieren. Der ebenfalls geschlossene Immoinvest der SEB verwaltet zusammen mit Kanam Grund rund 10,5 Milliarden Euro.

Mit den Schließungen verschärft sich die Krise in der bereits angeschlagenen Branche. Neun Immobilienfonds, die zusammen rund 22 Prozent des Branchenvermögens von knapp 90 Mrd. Euro vereinen, sind schon eingefroren. Nun wird spekuliert, dass es als Folge des einschneidenden Entwurfs des Ministeriums zu weiteren Fondsschließungen kommen könnte. In diesem Fall wäre die Politik für die Liquiditätsprobleme verantwortlich, die sie ja eigentlich zu lösen plant.




Artikel bewerten und teilen:
VN:F [1.9.19_1165]
0
Dieser Beitrag wurde unter Geld / Finanzierung abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title="" rel=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>