Branche in der Krise: Weiterer offener Immobilienfonds schließt

11. Mai 2010 | von

Nach dem Gesetzentwurf des Finanzministeriums spitzt sich die kritische Lage offener Immobilienfonds weiter zu. Mit dem P2 Value von Morgan Stanley musste jetzt ein weiterer Fonds wegen drohender Mittelabflüsse schließen. Der BVI wirft der Politik indirekt vor, die zahlreichen Fondsschließungen der letzten Tage fahrlässig in Kauf genommen zu haben.

Gerade erst hatte das Bundesfinanzministerium in einem Gesetzentwurf seine Pläne zur Regulierung offener Immobilienfonds vorgestellt, da brach an der Börse Panik aus und zwei Fonds mussten aufgrund fliehender Anleger geschlossen werden. Die Gesellschaften SEB und KanAm setzten damit die Rücknahme der Anteile aus ihren Fonds SEB Immoinvest und KanAm Grundinvest mit sofortiger Wirkung aus.

Die Immobilienfonds-Krise spitzt sich dabei immer weiter zu; Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) spricht von einer bedrohlichen Situation und mehr als 500 Millionen Euro, die zwischen der Ankündigung des Gesetzesentwurfs am Montag und Donnerstag vergangener Woche abgeflossen sind. Nun hat die Verlustangst, die sowohl bei Anlegern als auch bei Fondsgesellschaften herrscht, ein weiteres Opfer gefunden: Die US-Großbank Morgan Stanley sah sich gezwungen, ihren offenen Immobilienfonds P2 Value zu schließen. So stoppte die Gesellschaft, nachdem schon seit Monaten aus Angst vor massiven Mittelabflüssen die Rücknahme von Anteilen des Fonds ausgesetzt ist, nun auch die Ausgabe neuer Anteile. Morgan Stanley begründete die Maßnahme mit den zu erwartenden Abschlägen bei den anstehenden Bestandsbewertungen.

Verwiesen wurde jedoch auch auf den Diskussionsentwurf des Finanzministeriums, den man im Hause Stanley bezüglich einiger Punkte als „sinnvoll“ bezeichnete, wie beispielsweise die diskutierten Mindesthaltefristen. Diese würden langfristig das Vertrauen der Anleger in das Produkt stärken, so Morgan Stanley-Geschäftsführer Walter Klug gegenüber der „Welt“. Eine pauschale Abwertung der Bestände lehne man aber ab.

Der BVI versucht jetzt, die Anleger mit der Ankündigung zu beruhigen, dass der Gesetzentwurf des Ministeriums zur Stärkung des Anlegerschutzes und zum besseren Funktionieren des Kapitalmarktes noch keine Endfassung ist. Die Verbandsanhörung, ein Kabinettsbeschluss und das Votum von Bundestag und Bundesrat stünden immerhin noch aus. Am liebsten wäre dem Verband eine Erklärung des Bundesfinanzministeriums, dass die Regelung nicht durchgesetzt würde. Indirekt wird der Politik von den Lobbyisten sogar vorgeworfen, fahrlässig Fondsschließungen in Kauf genommen zu haben.




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