Architekten befürchten Baupfusch an der Elbphilharmonie

17. Mai 2010 | von

Laut einem Prüfbericht sind beim Bau der Hamburger Elbphilharmonie schwerwiegende Sicherheitsmängel aufgetreten. Die Vorwürfe der Schweizer Architekten richten sich gegen die ohnehin durch Kostenexplosionen und Bauverzögerungen in die Kritik geratene Baufirma Hochtief, wie das Nachrichtenmagazin Focus berichtet.

Der monatelange Streit um die Elbphilharmonie am Hamburger Hafen nimmt einfach kein Ende. Schon während der Bauarbeiten hatten sich die Kosten für den Konzertsaal mit der außergewöhnlichen Architektur von ursprünglich geplanten 77 Millionen Euro auf 500 Millionen Euro erhöht – was dem Projekt einen unrühmlichen Eintrag ins Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes bescherte – und der Fertigstellungstermin des Gebäudes auf unabsehbare Zeit verschoben. Die Hamburger Realisierungsgesellschaft Rege äußerte nun konkrete Vorwürfe gegen die verantwortliche Baufirma Hochtief, nach denen erhebliche bauliche Mängel am Konzerthaus festzustellen sind.

Laut den mit der Bauaufsicht beauftragten Generalplanern Jacques Herzog und Pierre de Meuron, beide Schweizer Architekten, bestehen an tragenden Teilen Sicherheitsmängel. So liegen angeblich die bereits fertiggestellten Betonrippen, auf denen das Gebäude auf Federpaketen ruhen soll, zu tief. Einige der Federpakete seien von Hochtief außerdem schief und mit vom Bauplan abweichenden Werten von bis zu 90 Millimetern eingebaut worden.

Auch in den Betonwänden der Außenschale ließen sich schwere Mängel finden. Bei der stichprobenartigen Prüfung entdeckte man große „Hohlkammern“ in der Bausubstanz; Hochtief habe Löcher gebohrt und Beton in die Luftblasen gepresst. Dies wird von den Architekten heftig kritisiert und als nicht ausreichend bezeichnet.

Über die Mängel am Neubau selbst hinaus, wurde laut Prüfbericht auch die historische Fassade des alten Kaispeichers A aufgrund der Bauarbeiten durch „Zementläufer“, „Auslaugungen“ und „Abschleifungen“ beschädigt. Während des Baus war zudem Zementschlamm über die Klinkerfassade gelaufen, woraufhin Hochtief Teile der Mauern hatte abschleifen lassen und somit den Fassadenzustand offenbar noch weiter verschlechterte.

Laut einem Bericht des „Focus“ verdonnerte die Realisierungsgesellschaft Hochtief jetzt zu einem Baustopp für die Sanierung. Ein Sprecher der Baufirma betonte gegenüber dem Magazin, dass alle Kritikpunkte nun „abgearbeitet und mit einem hohen Qualitätsstandard behoben“ würden. Die Auseinandersetzung um das 500-Millionen-Euro-Konzerthaus, das Hamburgs neues Wahrzeichen werden soll, wird mittlerweile vor Gericht geführt.

So hatte der Hamburger Senat vor einigen Wochen beim Amtsgericht Klage gegen Hochtief ausgesprochen. Das Ziel: endlich einen definitiven Termin für die Fertigstellung des Projekts erhalten, um damit Planungssicherheit zu erreichen. „Es geht hier nicht um irgendwelche Baumängel, sondern um schwerwiegende Probleme beim Kernstück der neuen Elbphilharmonie, nämlich dem großen Saal“, sagte Peter Tschentscher, Hamburger SPD-Bürgerschaftsabgeordneter und Leiter des in der vergangenen Woche eingesetzten Untersuchungsausschusses.

Elbphilharmonie

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Foto: Bernd Sterzl, pixelio.de




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