Probewohnen liegt im Trend

31. Mai 2010 | von

Das Konzept existiert schon seit mehreren Jahren, erfreut sich jedoch gerade in letzter Zeit immer größerer Beliebtheit: das Probewohnen. Während in München getestet werden kann, wie es sich in exklusiven Loftwohnungen lebt, hat ein Projekt im sächsischen Görlitz demographische Zwecke. Hier plant man, die Wohnqualität in ostdeutschen Innenstädten durch Befragung der Wohnungstester zu verbessern.

Wer ein neues Auto braucht, wird garantiert keines kaufen, ohne es vorher in einer Probefahrt getestet zu haben; und auch die neuen Schuhe werden ebenfalls angezogen, bevor dafür schwer verdientes Geld ausgegeben wird. Warum also beim Wohnungserwerb die Katze im Sack kaufen? Das fragt sich zumindest das Münchner Immobilienunternehmen Bauwerk Capital – und bietet eine Lösung:

Mitten in der bayerischen Landeshauptstadt, im Bezirk Au-Haidhausen können Kaufinteressenten in einer der Luxuswohnungen des Unternehmens „probewohnen“. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, kann hier bis Ende Juni gegen eine Mietgebühr das Leben im Luxusloft getestet werden. Günstig ist das nicht, wer sich am Ende aber für einen Kauf entscheidet, dem wird die bereits gezahlte Probewohn-Gebühr angerechnet.

Neu ist das Konzept Probewohnen allerdings nicht. So kann bereits seit drei Jahren in einer Passivhaussiedlung in Niederösterreich Wohnraum fortschrittlicher Art getestet werden. Auf dem „Sonnenplatz“ im Bezirk Großschönau befinden sich sechs Häuser, die mit Alternativenergie funktionieren – hier können die modernsten Technologien des Bauhandwerks für drei Tage bis maximal eine Woche erlebt werden. Der kürzeste Aufenthalt kostet dabei allerdings stolze 199 Euro.
Auch in Deutschland werben mehrere Immobilienanbieter mit dem Konzept „erst testen, dann kaufen“; so zum Beispiel das Wohnungsunternehmen LUWOGE mit einer Probewohnzeit von bis zu einem Jahr.

Ein ganz besonders Projekt ins Leben gerufen hat die Technische Universität Dresden mit dem Görlitz Kompetenzzentrum Revitalisierender Städtebau in Zusammenarbeit mit der Stadt Görlitz und der WBG Wohnungsbaugesellschaft. Zunächst als Modellvorhaben der Nationalen Stadtentwicklungspolitik gefördert durch Mittel des Bundes, haben Interessierte hier die Gelegenheit, eine Woche lang mietfrei Wohnungen in Innenstadthäusern zu testen. Nachdem das Projekt mit über 750 Bewerbern aus ganz Deutschland und dem Ausland große Erfolge verzeichnen konnte, beschloss man, es fortzuführen und 100 weiteren Haushalten bis zum Sommer dieses Jahres das Probewohnen zu ermöglichen.

Im Gegensatz zum Münchner Modell geht das Ziel der Görlitzer Planer jedoch weit über das Ausprobieren der Wohnung hinaus. Vielmehr sollen die Teilnehmer Wohnalltag und –qualität in der Görlitzer Innenstadt erproben, um damit die Stadtplaner in der Quartiersentwicklung voranzubringen. Indem Mitarbeiter der TU Dresden die Probewohnenden zu ihren Erfahrungen befragen, möchten sie in einer Studie herausfinden, wie sich die Wohnqualität sowie die Wertschätzung von Innenstadtquartieren in ostdeutschen Städten erhöhen lässt. Dem überdurchschnittlichen Leerstand soll auf diese Weise endlich entgegengewirkt werden.




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2 Kommentare zu Probewohnen liegt im Trend

  1. Harald sagt:

    Das ist natürlich keine schlechte Idee. Die Nachbarn und das Umfeld kann man sich ja leider nicht aussuchen.

  2. Karl-Heinz Schmitlapp sagt:

    Probewohnen ist eine gute Sache um günstige Urlaubsquartiere für einige Tage schnorren zu können.
    mfg KH

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