Berlin: öffentliche Hand Preistreiber bei Nebenkosten

25. Juni 2010 | von

Die Haushalte in Deutschland haben zunehmend unter einer extrem sprunghaften Entwicklung der Wohn-Nebenkosten zu leiden. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen fordert deshalb eine stärkere Preisaufsicht für Energiepreise und Gebühren. Doch nicht nur private Unternehmen zeigen sich als Preistreiber, auch die öffentliche Hand kassiert fleißig mit.

Verbrauchern fällt es immer schwerer, die Nebenkosten vernüftig zu planen. Speziell die Preise für Heizenergie entwickeln sich zunehmend sprunghaft, wie aus der zum vierten Mal vorgenommenen Auswertung der BBU-Preisdatenbank hervorgeht, die gestern in Berlin vorgestellt wurde. So stiegen die Gaspreise im Land Brandenburg zum 1. Januar 2009 im Schnitt um 15 Prozent, um genau ein Jahr später wieder um durchschnittlich 21,6 Prozent zu sinken.

„Das ist ein Problem für die Verbraucher“, erklärt BBU-Vorstandsmitglied Maren Kern die Zickzackbewegung der Energiepreise. Die Haushalte seien solchen Preissprüngen hilflos ausgesetzt. Der BBU fordere deshalb eine stärkere Aufsicht über die Enegiepreise, um die Verbraucher besser zu schützen. Dazu seien listungsfähigere Kartellbehörden nötig.

Als des Pudels Kern hat der BBU die Märkte und Börsen ausgemacht, denn die kurzlebigen „Preisanhebungen oder -senkungen um jeweils rund ein Fünftel haben mit der allgemeinen Inflationsentwicklung weniger zu tun als eher mit Energie-Spekulationen“, so Kern weiter. Es sei nur schwer zu verstehen, dass Strom immer teuerer wird, obwohl Brennstoffpreise deutlich gesunken sind und auch Fernwärme und Gas günstiger wurden.

Der BBU schiebt den Schwarzen Peter aber nicht allein den privaten Versorgern zu, auch die öffentliche Hand würde kräftig mitkassieren. So belegt Berlin in bundesdeutschen Vergleich der Großstädte ab 500.000 Einwohnern bei der Grundsteuer einen unangefochteten Spitzenplatz und auch die Wasserversorgung ist in Berlin extrem teuer – bei beiden Posten verdient die Stadt mit, was Kern süffisant kommentiert: „Der Senat muss den Berlinerinnen und Berlinern klar sagen, dass sie über die hohen Wasserpreise einen erzwungenen Beitrag zur Sanierung des Landeshaushalts leisten.“ Zum Vergleich: In der Hauptstadt zahlen die Verbraucher 5,12 Euro pro Kubikmeter Wasser, in Köln dagegen nur 3,33 Euro. Auf das Jahr gerechnet müssen Berliner somit 179 Euro mehr zahlen als die Domstädter. Besonders günstig ist dagegen die Müllentsorgung. Mit 22,92 Euro je Kubikmeter ist Berlin deutschlandweit am billigsten.

Im Allgemeinen werden die Nebenkosten zunehmend ihrer Bezeichnung als „zweite Miete“ gerecht. Ein durchschnittlicher Haushalt in Berlin muss mit Nebenkosten von monatlich 2,35 Euro je Quadratmeter rechnen. Bezogen auf die durchschnittliche Kaltmiete von 4,83 Euro je Quadratmeter machen die Nebenkosten somit inzwischen knapp ein Drittel der Warmmiete aus.




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