Nicht ganz so smart: Intelligente Stromzähler bringen kaum Ersparnis

19. August 2010 | von

„Smart Meter“, intelligente Stromzähler, sollen in deutschen Haushalten enorme Einsparungen erzielen. Was in der Theorie gut klingt, erweist sich in der Praxis als weniger nützlich: Die zusätzlichen Kosten übersteigen die Einsparungen der Geräte oft um ein Vielfaches.

Seit Anfang des Jahres ist es Gesetz: Bei Neubauten und Renovierungen müssen Zähler eingebaut werden, die „dem jeweiligen Anschlussnutzer den tatsächlichen Energieverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegeln“ (§21b Energiewirtschaftsgesetz). „Smart Meter“ genannt, sollen die intelligenten Stromzähler es ermöglichen, den eigenen Stromverbrauch genau zu analysieren. Das sorgt für ein besseres Kostenbewusstsein und kann beim Verbraucher die Sparmotivation positiv beeinflussen – Schätzungen zufolge könnten auf diese Weise 10 Prozent des aktuellen Stromverbrauchs eingespart werden.

So sollen ab 2011 alle Energieversorger mindestens einen lastvariablen oder tageszeitabhängigen Tarif anbieten. Das kann so aussehen: Tagsüber hat der Strom einen regulären Preis, vergleichbar mit einem herkömmlichen Stromtarif, während er in den Abendstunden und in der Nacht reduziert ist – das ist möglich, weil in dieser Zeit in aller Regel ein Stromüberschuss herrscht. Verbraucher können dann die unterschiedlichen Preisstufen nutzen, indem sie beispielsweise die Waschmaschine erst um 21:00 Uhr anstellen. Soweit der Plan. Tatsächlich ist der Aufwand, den Stromverbrauch auf billigere Tageszeiten zu verlegen, mehreren aktuellen Studien zufolge größer als die Ersparnis.

Denn allein die Anschaffung des Smart Meters ist alles andere als günstig. Laut der Deutschen Energieagentur kostet der Austausch des Zählers den Kunden 35 bis 100 Euro. Dazu kommt eine jährlich fällige Dienstleistungsgebühr, die je nach Anbieter zwischen 60 Euro für das Basismodell und 240 Euro für das Komplettangebot beträgt. Das Sparpotential des der intelligenten Stromzähler werde „enorm überschätzt“, fasst der Aachener Energieberater Klafka gegenüber „Spiegel Online“ zusammen. Denn mit den teuren Anschaffungskosten nicht genug: Weil die Tarifdaten ständig übertragen werden müssen, würde ein Smart Meter zunächst sogar für einen zusätzlichen Stromverbrauch sorgen.

Auch in der Praxis erweist sich das Prinzip des „Smart Grid“, des intelligenten Stromnetzes, als schlecht durchführbar. Während Wäsche auch nachts gewaschen werden kann, eignen sich die meisten anderen Elektrogeräte eher weniger. So würden wohl die wenigsten nachts kochen oder die Haare zu einer anderen Tageszeit föhnen, weil zu diesem Zeitpunkt der Strom etwas günstiger ist. Es verwundert daher nicht, dass sich nicht gerade viele für die Smart Meter begeistern können. Gerade für kleine Haushalte lohnt sich der Einbau des angeblich so intelligenten Stromzählers wahrscheinlich kaum.




Artikel bewerten und teilen:
VN:F [1.9.19_1165]
0
Dieser Beitrag wurde unter Energie abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Nicht ganz so smart: Intelligente Stromzähler bringen kaum Ersparnis

  1. Pingback: Smart Grid = Big Shit « Rekursiv Paradoxon

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title="" rel=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>