Verbände: erneuerbare Energien fördern statt Atommeiler länger laufen lassen

26. August 2010 | von

Mehrere Umwelt- und Verbraucherverbände fordern in einem Appell an die Bundesregierung, auf eine Verlängerung der Laufzeiten von Atommeilern zu verzichten und stattdessen die Förderung erneuerbarer Energien zu intensivieren. Nur so können Klimaschutzziele erreicht und Zukunftschancen gesichert werden.

Die Verlängerung der Laufzeiten von Atommeilern ist trotz einer großformatigen Anzeigenkampagne weder in der deutschen Bevölkerung noch bei vielen Politikern und Verbänden gut gelitten. Umwelt-, Verbraucherverbände und Gewerkschaften wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Deutsche Naturschutzring (DNR), der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), der Deutsche Mieterbund (DMB) und die Industriegewerkschaften IG Metall und IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) haben nun in einem Appell an die Bundesregierung gefordert, „endlich wirksame Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz auf den Weg zu bringen“.

Nur mit einer Rücknahme der im Sparpaket für 2011 vorgesehenen Milliardenkürzung bei der Förderung energetischer Gebäudesanierung könne die Bundesregierung die geplanten Klimaschutzziele erreichen und „wichtige Impulse für eine zukunftsfähige Energieversorgung setzen“, so die Verbände auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Statt Atommeiler länger laufen zu lassen, solle vielmehr in eine Senkung des Energieverbrauches investiert werden. Die Energiekonzerne seien nach Ansicht von Klaus Brunsmeier vom BUND nur an weiteren Millionengewinnen durch ihre längst abgeschriebenen Atommeiler interessiert.

Nach Ansicht der Verbände könnten durch eine effizientere Energienutzung alleine im Strom- und Gebäudesektor bis zum Jahr 2020 jährlich rund 100 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Vorraussetzung dafür sei aber eine langfristig angelegte Förderung von energetischen Gebäudesanierungen, da ein Großteil der Energie in Deutschland in schlecht sanierten Wohnhäusern aus den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verbraucht werden. „Die Energiekosten sind Preistreiber Nummer Eins bei den Wohnkosten“, erklärt Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten. Die Kosten für eine Modernisierung des Gebäudebestandes müssen aber durch Förderprogramme abgefedert werden, so Siebenkotten weiter. „Der von der Bundesregierung im Sparpaket angekündigte Abbau der Zuschüsse für Gebäudesanierungen ist daher ein völlig falsches Signal und muss zurückgenommen werden.“

Die Verbände fordern dafür ein verbindliches Energieeffizienzgesetz mit festgelegten Einsparungen von mindestens zwei Prozent jährlich. Erreicht werden soll dies unter anderem durch die Einrichtung eines Energieeffizienzfonds, der den Kauf energieeffizienter Haushaltsgeräte finanziell unterstützen soll. Zwar würde sich nach Ansicht von Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband der Kauf von energieeffizienten Haushaltsgeräten trotz höherer Anschaffungskosten in jedem Fall lohnen, mit einem solchen Fonds könnten „veraltete und energiefressende Haushaltsgeräte schneller ausgetauscht werden“, so der Verbraucherschützer.

Doch nicht nur der Umwelt würden solche Maßnahmen helfen, auch der deutschen Wirtschaft und den Verbrauchern käme es zugute. So schätzen die Verbände, dass mit einer verstärkten Energieeffizienzförderung bis zu 850.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden können.

„Energieeffiziente Technologien werden im internationalen Innovationswettbewerb immer wichtiger. Gerade die Beschäftigung in der Metall- und Elektroindustrie kann davon profitieren“, so Wolfgang Rhode, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Ein Kürzen der Förderung würde dagegen nach Ansicht von IG BAU-Abteilungsleiter für Wirtschafts-, Bau- und Arbeitsmarktpolitik über 100.000 Arbeitsplätze im regionalen Handwerk gefährden.




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