Sanierungszwang: drohen dramatische Mieterhöhungen?

16. September 2010 | von

Der im Energiekonzept der Bundesregierung enthaltene Plan zur Sanierung aller Gebäude auf Nullemissionsstandard bis 2050 schlägt weiterhin hohe Wellen. Auf Hausbesitzer kommen riesige Sanierungskosten zu, Mietern drohen drastische Mieterhöhungen – so die Befürchtung der Verbände. Die FDP plädiert inzwischen dafür, mit Geld statt mit Zwang zu arbeiten.

Der Hauseigentümerverband „Haus & Grund“ redet nicht lange um den heißen Brei herum: „Wir lehnen den Standard Nullemission im Wohngebäudebestand ab“, erteilt Haus&Grund-Generalsekretär Andreas Stücke den aktuellen Energieplänen der Bundesregierung eine deutliche Absage. Der Nullenergie-Standard sei nach Ansicht des Verbandes für eine große Zahl von „Wohngebäuden insbesondere in innerstädtischen Lagen technisch nicht realisierbar“ und zudem „wirtschaftlich nicht umsetzbar und folglich rechtlich unzulässig.“

Der Verband hat ausgerechnet, dass die aufwendige Sanierung auf Nullemissionsstandard Hausbesitzern durchschnittlich knapp 1.000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche kosten würde. Bei einem dreigeschossigen Wohnhaus mit acht Wohneinheiten würde demnach allein die Fassadendämmung mit knapp 144.000 Euro zu Buche schlagen, neue Fenster würden 72.500 Euro kosten und auch der Einbau einer umweltfreundlichen Heizungs- und Lüftungsanlage inklusive Solarkollektoren auf dem Dach wäre mit über 200.000 Euro Investitionskosten alles andere als preiswert. Insgesamt würde die Sanierung Haus & Grund zufolge für das Beispielhaus mit 600 m² Wohnfläche circa 600.000 Euro veranschlagen.

Doch auch Mieter würden nicht ungeschoren davonkommen. Laut Haus & Grund müssten auch sie mit drastischen Zusatzkosten rechnen, wenn die Eigentümer die Sanierungskosten auf die Miete umlegen. So würde die durchschnittliche Bruttokaltmiete den Berechnungen zufolge mit Steigerungen von über 200% in vielen Städten praktisch explodieren. Konkret bedeute dies für eine Stadt wie Berlin zum Beispiel eine Steigerung von derzeit durchschnittlichen 4,62 Euro je Quadratmeter auf 13,74 Euro.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, fordert der Verband einen Verzicht auf den bisher vorgesehenen Sanierungszwang unter Androhung von Steuerstrafen. „Wir unterstützen den Bundesbauminister in seiner Auffassung, dass der im Energiekonzept bisher vorgesehene Zwang gegen die Eigentumsgarantie des Grundgesetzes verstieße“, sagte Stücke.

Auch die FDP-Fraktion im Bundestag fordert ein System der Anreize statt dem Androhen von Strafen. Man könnte einem Rentner-Ehepaar, das gerade sein Eigenheim abbezahlt hat, nicht zumuten, jetzt 50 000 Euro für die Sanierung aufzuwenden, erklärte der baupolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Sebastian Körber im „Focus“. Ein Mix aus Anreizen und finanzieller Förderung könnte hier Abhilfe schaffen. Bis zu 20 Milliarden Euro an Fördermittel sei dafür nötig, die aber gut angelegt seien, da jeder Euro bei der Gebäudesanierung bis zu 10 Euro Wertschöpfung mit sich bringe.




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