Neue Gesetzesregelung: Bundesregierung stärkt Anleger von Immobilienfonds

23. September 2010 | von

Die Bundesregierung plant, mit einem neuen Gesetzesentwurf den Markt für offene Immobilienfonds auch in Krisenzeiten zukünftig besser zu stabilisieren. Für die Fonds-Anteile sollen laut der neuen Gesetzesregelung unter anderem Mindesthaltefristen von zwei Jahren eingeführt werden.

Offene Immobilienfonds waren lange eine beliebte Anlageklasse, denn mit ihnen hatten Privatanleger die Möglichkeit, in Immobilien zu investieren, ohne selbst Bauherr sein zu müssen. Normalerweise können Investoren bei dieser Anlegerform ihre Anteile jederzeit zurückgeben und ihr Geld problemlos zurückbekommen.

In Zeiten der Finanzkrise wurde diese Rückgaberegelung allerdings oft zu einem Problem, da Anleger zum Teil reihenweise Geld aus den Fonds zurückverlangt haben. Die Folge war, dass etliche Fonds die Rückgabe der Anteile ausgesetzt hatten, um ein Liquiditätsproblem zu vermeiden. Mit dem am Mittwoch verabschiedeten Gesetz der Regierung soll sich dies in Zukunft ändern: Investoren sollen demnach ihre Anteile dann mindestens für zwei Jahre halten müssen.

Mit der neuen Regelung soll für die Anleger ein Anreiz für ein langfristiges Investment geschaffen werden, denn nach der Mindesthaltefrist soll es für zwei weitere Jahre bestimmte Abschläge geben, sofern die Anteile zurückgegeben werden. Gerechnet auf den Wert der Anteile wären es im ersten Jahr zehn Prozent, im zweiten Jahr fünf Prozent. Damit sich die Anlage rechnet, müssten Anteilseigner etwa vier Jahre investiert bleiben. Erst ab dem fünften Jahr kostet den Investoren die Rückgabe der Anteile dann nichts mehr.
Fondgesellschaften sollen mit der neuen Gesetzesregelung weiterhin verpflichtet werden, den Immobilienbestand zugunsten ihrer Anleger häufiger zu bewerten als bisher. So sind Anteilsinhaber immer im Bilde darüber, wie es um die jeweilige Immobilie steht. Böse Überraschungen sollen ihnen so erspart werden. Eine weitere Regelung des Gesetzes sieht ein verbessertes Verfahren zu einer geordneten Abwicklung offener Fonds vor, deren Anteilsrücknahme mehrmals ausgesetzt wird und keine Aussicht auf eine nachhaltige Wiedereröffnung besteht.

Alle Neuregelungen, die mit dem neuen Gesetz der Bundesregierung getroffen wurden, sind Teil eines allgemeinen Anlegerschutzgesetzes. Dieses sieht auch vor, bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine Datenbank zu eröffnen, bei der Banken ihre Anlageberater und Vertriebsverantwortlichen registrieren lassen können und deren Qualifikationen bestätigen lassen müssen. Bei Missachtungen des Anlegerschutzes sollen die betreffenden Mitarbeiter bis zu zwei Jahren nicht mehr in ihren Positionen eingesetzt werden. Bußgelder sind ebenfalls vorgesehen. Für private Anleger sollen zudem Kurzinformationsblätter eingeführt werden, die Auskünfte über das Finanzprodukt wie Risiken, Erträge und Kosten verständlich geben sollen.

Die Gesetzesvorlage stößt bei Verbraucherschützern und Bankenverbänden wegen des gestärkten Anlegerschutzes auf positive Resonanz. Banken kritisieren jedoch die mit der Registrierung der Mitarbeiter verbundenen Kosten von circa drei Millionen Euro.




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