Merkels Mietschock: Mieterbund protestiert, Vermieter sind verwundert

30. September 2010 | von

Die während eines Interviews von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) eher beiläufig gefallene Bemerkung, dass Mieter zukünftig doch bitteschön einen größeren Teil der anfallenden Sanierungskosten von Wohngebäuden übernehmen sollen, sorgt in der Öffentlichkeit für helle Aufregung. Der Mieterbund zerpflückt Merkels Argumente und sogar die Eigentümer sind verwundert.

Wenn es nach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht, müssen sich Deutschlands Mieter demnächst wohl warm anziehen – und zwar nicht, weil sie in zugigen Wohnungen sitzen, sondern in gut gedämmten, deren Miete empfindlich steigen soll.

Denn um die hochgesteckten Klimaziele erfüllen zu können, müssen in der Bundesrepublik reihenweise Wohngebäude energetisch Saniert
werden. Diese sind derzeit noch für 40 Prozent des gesamten Energieverbrauches und 20 Prozent des CO2-Ausstosses hierzulande verantwortlich. Bis 2050 soll der Anteil der Energieschleudern den Plänen der Bundesregierung zufolge möglichst auf Null sinken. Da der Sanierungsgszwang nach zahlreichen Protesten aus dem Energiekonzept gestrichen wurde, sollen nun Anreize und Förderung dafür sorgen, damit Hausbesitzer ihre Gebäude möglichst auf den „Nullenergiestandard“ bringen.

Die Kanzlerin forderte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung nun, dass Hausbesitzer zukünftig einen größeren Teil der anfallenden Sanierungskosten auf die Miete umlegen können, damit sich eine Sanierung für beide Seiten lohnt. Nach Meinung von Merkel würden dabei inbesondere die Mieter von den niedrigeren Energiekosten einer energetisch sanierten Wohnung profitieren.

Mieterbund widerspricht der Kanzlerin

Nicht nur dieses Argument sorgt beim Deutschen Mieterbund (DMB) für Stirnrunzeln. Bereits jetzt können Vermieter nach geltendem Recht 11 Prozent der Kosten einer energetischen Modernisierung auf die Jahresmiete umlegen. Bei einer Investition von 20.000 Euro würde sich die Miete einer Wohnung demnach um 180 Euro monatlich verteuern. Dem Mieterbund zufolge stehen dem bei einer 70 m² großen Wohnung aber gerade einmal Heizkosten-Einsparungen vor durchschnittlich 80 Euro gegenüber. Der Mieter würde auf den Mehrkosten von 100 Euro sitzenbleiben.

„Wichtig ist deshalb, dass die Mieterhöhungen künftig durch mögliche Heizkostenersparnisse begrenzt werden“, so Mieterbund-Präsident Dr. Franz-Georg Rips. Die Bundeskanzlerin solle nicht über „zusätzliche Belastungen für Mieter nachdenken“. Drastische Mieterhöhungen seien angesichts der sowieso schon hohen Wohnkostenbelastung von derzeit 30 bis 40 Prozent auf vielen Wohnmärkten ohnehin nicht durchsetzbar. Die Mieter würden in diesem Fall „mit den Füßen abstimmen und ausziehen“, so Rips zu Spiegel Online.

Auch Eigentümer sind verwundert

Selbst bei Eigentümerverbänden ist man über Merkels Vorstoß verwundert. „Wir fordern keine Erhöhung der elf Prozent“, erklärte ein Sprecher der Eigentümer-Gemeinschaft Haus & Grund gegenüber Spiegel Online. Vielmehr sei die konkrete Umlage der Kosten auf die Mieter das derzeitige Problem. Oft würden die Eigentümer auf den Sanierungskosten sitzenbleiben, weshalb es oftmals nicht wirtschaftlich sei, energetisch zu sanieren.




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