Erbe Mietwohnung: wer nach dem Todesfall zuständig ist

4. Oktober 2010 | von

Beim Tod eines Mieters treten Hinterbliebene, die mit in der Wohnung gelebt haben, laut Gesetz automatisch in den Mietvertrag ein. Wollen die Angehörigen die Mietwohnung nicht übernehmen, muss der Vermieter innerhalb eines Monats vom Tod des Mieters in Kenntnis gesetzt werden, damit für die gesetzliche Kündigungsfrist gilt.

Ein Todesfall birgt für die Angehörigen neben der Trauer auch zahlreiche Formalitäten mit sich. Vor allem die Regelung des Erbes kann sich oftmals als langwierig und nicht selten auch als schwierig erweisen, denn nicht immer können sich die Hinterbliebenen über das Erbe einigen. Neben den finanziellen Hinterlassenschaften des Verstorbenen wird aber eins oft vergessen: was wird aus der Mietwohnung des Toten?

“Viele gehen davon aus, dass der Mietvertrag mit dem Tod einfach erlischt, und fallen dann aus allen Wolken, dass der zunächst wie bisher bestehen bleibt”, erklärt Rechtsanwalt Andreas Kühnelt auf „Welt Online“. Problematisch kann es vor allem dann werden, wenn die Hinterbliebenen dem Verstorbenen nicht sonderlich nahe standen. Angehörige, die mit dem Toten in der Wohnung gelebt haben, wie etwa der Ehepartner oder Kinder, aber auch unverheiratete Partner treten nach dessen Ableben laut Paragraf 563 des BGB automatisch in den Mietvertrag ein.

Wollen diese weiterhin in der Wohnung bleiben, läuft alles wie gehabt, entscheiden sie sich aber, die Wohnung aufzugeben, muss der Vermieter binnen eines Monats über den Tod des ehemaligen Mieters informiert werden, damit die gesetzliche Kündigungsfrist rechtmäßig geltend wird. Viele Angehörige können die Wohnung jedoch oft nicht übernehmen, da sie zu teuer oder zu groß ist, um sie allein finanzieren zu können. Möchte der Partner den Mietvertrag nicht übernehmen, so können Kinder oder Verwandte, die mit dem Verstorbenen bereits zusammengelebt haben, in den Mietvertrag eintreten.
Was gilt bei Erbverweigerung?

Hat der Verstorbene allerdings alleine in der Wohnung gelebt, wird es etwas schwieriger, da zunächst niemand als eintrittsberechtigt für den Mietvertrag gilt. Der Mietvertrag wird dann Bestandteil des Erbes: „Dann geht auch die Wohnung mit allen damit verbundenen Rechten, Pflichten und Kosten auf die Erben über”, kommentiert Kühnelt.

Oftmals schlagen die Erben das Vermächtnis des Verstorbenen aber aus. Dies passiert meist, wenn die Hinterbliebenen nicht über den vollen Umfang des Erbes, also auch möglicher Schulden, informiert waren. Der Haken dabei: Das gesamte Ausmaß der Schulden wird erst bei Erbantritt offenbart. Kann man als Hinterbliebener jedoch beweisen, dass das Erbe ohne Wissen der Schulden angenommen wurde, ist es möglich, das Erbe auszuschlagen. Verweigern die Angehörigen das Erbe, dürfen keinerlei Gegenstände aus der Wohnung des Verstorbenen mitgenommen werden.




Artikel bewerten und teilen:
VN:F [1.9.19_1165]
0
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines, Mieten abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Erbe Mietwohnung: wer nach dem Todesfall zuständig ist

  1. Erbanteil sagt:

    Das ist immer schwer zu entscheiden, guuter Artikel und sehr inofrmativ. Es ist im Endeffekt doch die beste Lösung, einen Fachmann zu konsultieren.
    Grüße,
    Paul von Erbanteil verkaufen

  2. hereditas sagt:

    Für die Erbengemeinschaft richtet sich die Frage der Wohnungskündigung nach den Regelungen über die Verwaltung des Nachlasses. Im Regelfall kann hier die Mehrheit der Erbteile entscheiden.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title="" rel=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>