Hamburger protestieren gegen Wohnungsnot und Senat

25. Oktober 2010 | von

In Hamburg formiert sich allmählich der Protest gegen die scheinbar absurde Koexistenz von Wohnungsnot, hohen Mieten und gleichzeitig enormen Leerstand. Am Wochenende demonstrierten tausende Hamburger gegen die Wohnungspolitik des Senats – und für die Umwidmung von ungenutzten Büroflächen.

In Hamburg rumort es: lange hatten die Hansestädter es stillschweigend hingenommen, dass die Mieten vor allem in beliebten Gegenden immer weiter stiegen – das Angebot immer knapper wurde. Hamburg gehört immerhin zu den boomenden Metropolen, und da gehören hohe Quadratmeterpreise schon fast zum guten Ton. Doch trotz explodierender Mieten und einem scheinbar geringen Angebot gibt es paradoxerweise genügend leerstehede Wohnungen, selbst in begehrten Vierteln. Ein Umstand, der die Hamburger nun auf die Barrikaden gehen lässt.

Zuletzt wurde bekannt, dass in Hamburg etliche Wohnungen leer stehen – und das nicht, weil es keine Interessenten gibt oder die Wohnungen in einem schlechten Zustand wären. Die Eigentümer lassen ihre Wohnungen mit voller Absicht unvermietet, weil sie so die Immobilien so besser an potentielle Investoren verkaufen können. Möglich wurde dies erst, nachdem der CDU-geführte Hamburger Senat einen Passus im Wohnraumschutzgesetz gestrichen hatte, der Vermieter verpflichtet hatte, leerstehende Wohnungen nach sechs Monaten zu melden.

Es ist einer dieser Umstände, der die Hanseaten auf die Straße treibt. Am Samstag versammelten sich Polizeiangaben zufolge nun rund 3.000 Hamburger – die Organisatoren sprechen von knapp 7.000 Teilnehmern – zu einem vom Aktionsbündnis “Leerstand zu Wohnraum” organisierten Demonstrationszug gegen die Wohnungspolitik des Senates. Der Senat würde einseitig die Lobbyinteressen der Unternehmen und Vermieter vertreten, lautet einer der Hauptvorwürfe. Das Rezept dagegen: Wohnraum solle in gesellschaftliche Hand übergehen und das Besetzen von unvermieten Wohnungen legalisiert werden.

Doch nicht nur ungenutzte Wohnungen sind den Demonstranten ein Dorn im Auge, auch der massenhafte Leerstand von Büros könne zum Vorteil Hamburgs ausgenutzt werden. Etwa 1,2 Millionen Quadratmeter Büroflächen würden derzeit in Hamburg leerstehen. Würde man diese in Wohnraum umwandeln, könnten etwa 40.000 Wohnungen entstehen, rechnet das Aktionsbündnis vor.
Der Endpunkt des Umzuges war denn auch symbolisch gewählt: Der Astra-Büroturm unweit der Hafenstraße in St. Pauli steht derzeit zu 70% leer.




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3 Kommentare zu Hamburger protestieren gegen Wohnungsnot und Senat

  1. K. Reitner sagt:

    Ist die Hafen-City an der Speicherstadt eigentlich schon fertig? Und ist die auch bei diesem Leerstand betroffen?

  2. Pingback: Über 5.000 bei Demo "Leerstand zu Wohnraum" | Recht auf Stadt

  3. Pingback: Tausende fordern: Leerstand zu Wohnraum! | Recht auf Stadt

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