Leerstandsrückgang bis 2015: Droht Berlin eine Wohnungsnot?

17. November 2010 | von

Der aktuelle Marktmonitor des Verbandes Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen (BBU) prophezeit der Hauptstadt eine dramatische Wohnungsknappheit bis 2015. Die ließe sich nur vermeiden, wenn der Senat billiges Bauland zur Verfügung stelle. Der Senat hält dagegen: Es gebe kein Angebotsmangel.

Mickrige 3.000 Wohnungen oder weniger als ein Prozent des Bestandes könnten im Jahr 2015 in Berlin noch leer stehen, was nichts anderes als eine dramatische Wohnungsnot bedeuten würde. Zu diesem alarmierenden Fazit kommt der gestern vorgestellte Marktmonitor des Hamburger Gewos-Institutes für den Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, dessen Mitglieder knapp 40 Prozent des Berliner Mietwohnungsbestandes abdecken.

Neben einer ungebrochenen Attraktivtät Berlins mit einem erwarteten Zuzug von 50.000 Menschen sei vor allem die hohe Anzahl der Singlehaushalte für den raschen Rückgang freistehender Wohnungen – Ende 2009 standen bei den BBU-Mietgliedsverbänden noch knapp 22.000 Wohnungen leer – verantwortlich, so die BBU. Dem gegenüber stehen allerdings gerade einmal 3.500 neue Wohnungen. Nötig seien daher verbesserte Bedingungen für den Wohnungsneubau. „Berlin ist auf dem Weg zu einem Angebotsproblem. Vor diesem Hintergrund müssten sich auch die Parteien hier längst Gedanken darüber machen, wie der Wohnungsneubau in Gang gebracht werden kann“, so BBU-Vorstandsmitglied Maren Kern.

Dem Verband schwebt dabei vor allem die Vergabe von kostengünstigem innerstädtischen Bauland vor. Dabei solle nicht mehr allein der Preis, sondern soziales und klimapolitisches Engagement der Bauherren entscheidend sein. „Es kann nicht sein, dass die Stadt begehrte Grundstücke zu Höchstpreisen und vorzugsweise für den Bau von Hotels, Büros oder Luxuswohnungen verkauft“, monierte Kern die bisherige Praxis. Auch sei die bisher durchschnittliche Miete in Berlin laut Mietspiegel mit 4,83 €/m² viel zu niedrig, um den Wohnungsneubau anzukurbeln. Um einen Neubau solide zu finanzieren, müsse die Nettokaltmiete dort bei etwa 10 Euro je m² liegen, also über doppelt so hoch wie der Berliner Durchschnitt.

Beim Berliner Senat stoßen Leerstandszahlen und Forderungen nach billigem Bauland dagegen auf Skepsis. Die Grundlagen der Studie seien nicht nachvollziehbar, so Verwaltungssprecher Mathias Gille zur „taz“. Man gehe von ca. 100.000 leerstehenden Wohnungen aus.

Niedriger Leerstand führt nicht zu höheren Mieten

Einen Zusammenhang zwischen den zuletzt publik gewordenen hohen Mietsteigerungen und dem sinkenden Leerstand sieht der BBU indes nicht – im Gegenteil. Die Bestandsmieten seien bei den BBU-Unternehmen im vergangenen Jahr nur um 1,9 Prozent gestiegen. Eine 60-Quadratmeterwohnung sei damit 5,40 Euro pro Monat teurer geworden. „Angesichts von knapp 800 Millionen Euro, die unsere Berliner Mitgliedsunternehmen 2009 in die Verbesserung ihrer Wohnungen investiert haben, ist das ein außerordentlich moderater Anstieg.“




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