Wohnungsbau in Hamburg – Hansestadt tritt weiter auf der Stelle

27. Januar 2011 | von

Mehr Sozialwohnungen, dafür insgesamt weniger Fertigstellungen: Hamburgs Wohnungsbau tritt auf der Stelle und bleibt erneut deutlich hinter den gesteckten Zielen zurück. Von einer Wohnungsnot möchte die verantwortliche Stadtentwicklungssenatorin Herlind Gundelach (CDU) dennoch nicht sprechen.

Die gute Nachricht vorweg: In Hamburg wurden im vergangenen Jahr mithilfe der Hamburgischen Wohnungsbaukreditanstalt deutlich mehr Sozialwohnungen gefördert als eigentlich vorgesehen war. Statt geplanter 1.200 Wohnungen waren es am Ende 1.551 – eine erfreuliche Entwicklung, findet Stadtentwicklungssenatorin Gundelach (CDU). Insgesamt seien für 2.636 Wohnungen Mietpreisbindungen verlängert oder neu hinzugekommen. Man sei mit der Wohnungsbaustrategie auf dem richtigen Weg, da wieder deutlich mehr Sozialwohnungen in Hamburg gebaut werden, so Gundelach bei der Vorstellung des neugefassten Wohnungsbauentwicklungsplanes.

Doch das Plus bei den Sozialwohnungen ist nur eine Seite der Medaille. So kritisiert der Hamburger SPD-Stadtentwicklungsexperte Andy Grote, dass die Zahl der tatsächlich gebauten Sozialwohnungen deutlich unter den Erfolgsmeldungen der Senatorin liege. 2010 wurden lediglich 771 Sozialwohnungen gebaut; 2009 waren es noch 1047, so Grote zur Tageszeitung „Die Welt“.

Auch die Zahl der Baugenehmigungen und Fertigstellungen sind alles andere als ein Erfolg. Zwar liegen die finalen Fertigstellungszahlen für 2010 noch nicht vor, an der Entwicklung der Baugenehmigungen lässt sich jedoch eine Tendenz erkennen – und die ist nicht gerade positiv. Wurden im gesamten Jahr 2009 4.186 Wohnungen genehmigt und 3.587 gebaut, waren es von Januar bis Oktober 2010 noch 2.991 Baugenehmigungen. Grote rechnet daher mit einem Rückgang der Fertigstellungszahlen auf knapp 3.200 Wohnungen.

Um – da sind sich alle Verbände und Parteien einig – ein weiteres Verschärfen der Wohnraumsituation und der daraus resultieren Mietsteigerungen zu verhindern, sind 6.000 neu gebaute Wohnungen jährlich notwendig. Diese Marke wird die Hansestadt erneut verfehlen.

Deshalb rückt der Senat auch von den ursprünglichen Plänen für verbindliche höhere Energieeffizienzstandards für Neubauwohnungen ab. Kritiker befürchten, dass die ab 2012 für eine Förderung vorgesehene Pflicht des Passivhausstandards für Neubauten den Wohnungsbau durch weitaus höhere Baukosten weiter abgewürgt hätte. Zukünftig sollen Passivhäuser zwar weiterhin massiv gefördert werden, verbindlicher Mindeststandard soll dennoch vorerst das WK-Effizienzhaus 70 bleiben.




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