Maklerprovision – wer muss eigentlich was zahlen?

21. Februar 2011 | von
Maklerprovision: keine einheitliche Regelung in Deutschland Maklerprovision: keine einheitliche Regelung in Deutschland

Es gibt viele Wege, eine neue Bleibe zu suchen. Doch auch wenn man sich bei Immobilienkauf oder Wohnungssuche nicht direkt an einen Makler wendet, sondern selber das Angebot durchforstet, sind bei einigen Objekten Provisionen fällig. Das ist ärgerlich und oft kompliziert, da Deutschland zu den wenigen entwickelten Industrieländern gehört, in denen die Maklerarbeit rechtlich nicht genau geregelt ist. Aber was muss sich der Interessent wirklich bieten lassen?

Jeder hat es wahrscheinlich schon einmal erlebt. Ein Wohnungswechsel steht an und eine neue Immobilie muss gefunden werden. Viele Möglichkeiten stehen nun zur Wahl: Eigenständig das Angebot via Zeitungsanzeigen durchforsten, Suchmaschinen nutzen, oder gleich einen Makler beauftragen? Oft nicht nur eine Frage der Zeit, sondern auch des Budgets. Doch selbst wenn sich der Wohnungssuchende gegen einen Profi-Vermittler entscheidet, muss er am Ende unter Umständen eine Maklerprovision zahlen.

Der Makler: dein Freund und Helfer im Immobilien-Dschungel?

In Deutschland darf sich im Grunde jeder Makler nennen und beliebig Gebühren für die Immobilienvermittlung erheben, schwarze Schafe inklusive. Es überrascht also nicht, wenn sich Kunden angesichts der vierstelligen Kosten von der Zunft abwenden. Mittlerweile werden etwas 50% der privaten Immobilien ohne Makler vermittelt, die Statistik des Immobilienverbandes Deutschland (IVD), dem 6000 Makler angehören, weist sogar nur noch 30-40% aus.

Rechtliche Regelung der Vermittlung in allen Fällen? Fehlanzeige

Die teilweise völlig überzogenen Provisionen schrecken ebenso wie die Angst vor unseriösen Maklern ab. Ein Beispiel: Für eine Eigentumswohnung in attraktiver Wohnlage in München zu einem Kaufpreis von 400.000€ käme auf den Käufer noch eine Courtage von 28.560€ inklusive Mehrwertsteuer. Laut Maklerauskunft entsteht für den Käufer aber kein Schaden – der Betrag würde vom zum Kaufpreis abgezogen. Und hier liegt die Krux: Wer zahlt eigentlich was? Auftraggeber sind häufig die Vermieter bzw. Verkäufer, die einen Vermittler engagieren, daher ist es in vielen Ländern Usus, dass auch der Auftraggeber die Kosten übernimmt.

Nicht so in Deutschland. Hier ist weder geregelt, was ein Vermittler zu leisten hat, noch was er dafür wem berechnen darf. Nur bei Mietimmobilien gibt es Vorgaben: Laut Oberlandesgericht München darf per Wohnungsvermittlungsgesetz eine Provision in Höhe von maximal zwei Monatskaltmieten, zuzüglich Mehrwertsteuer erhoben werden (Az.: OLG München 7 U 4005/90). Außerdem bedarf es eines Maklervertrags, aus dem unmissverständlich hervor geht, dass der Mieter eine Provision zu zahlen hat, wie der Bundesgerichtshof urteilte (Az.: BGH IVa ZR 246/84). Bei Kaufobjekten fehlt jegliche Regelung.

Völlig willkürlich werden Provisionen von 3%bis 7% Prozent des Kaufpreises erhoben. Im Oktober 2010 brachte die SPD daher im Bundestag einen Antrag ein: Die Maklercourtage solle zur Hälfte von Verkäufer und Käufer getragen werden. Die Forderung der Grünen in München geht sogar noch weiter: Sie fordern eine völlige Abschaffung der Maklergebühren, da sie vor allem wohnungssuchende Familien stark belaste. In anderen Ländern funktioniert diese Regelung offensichtlich problemlos. Anfang Februar wurde der Antrag abgelehnt. „Die ablehnende Argumentation deckt sich absolut mit unserer Auffassung. Die Provisionsverteilung wird vom Markt geregelt und bedarf keiner staatlichen Regulierung“, kann man der Pressemitteilung des IVD entnehmen. „Eine gesetzliche Regelung hätte einen erheblichen Eingriff in die Vertragsfreiheit der Parteien bedeutet“, so Jens-Ulrich Kießling, Präsident des Immobilienverbandes, weiter.

Der Markt wird´s regeln

Dass die Makler keinen Handlungsbedarf sehen, ist verständlich. Vor allem bei knappem Angebot sind die Käufer bereit, hohe Preise zu zahlen, bei hohem Leerstand finden sich genügend zahlungsbereite Verkäufer. Die vorgebrachten Argumente gegen das Halbe-Halbe-Modell oder gar die Idee der Grünen sind gewagt: Die mit der Provision belasteten Vermieter könnten den Betrag auf die Mieten umwälzen und so eine Steigerung des Mietspiegels auslösen, so heißt es beispielsweise. Auch der funktionierende Markt wird immer wieder als Argument herangezogen, die Dienstleistung des Maklers werde schließlich von Angebot und Nachfrage bestimmt. Es lohnt sich also, harte Verhandlungen über die Provisionszahlung zu führen! Dass es auch anders geht, zeigen Portale wie Yoom. Hier wird der Makler umgangen, indem von Mietern Nachmieter gesucht werden. Macht diese Vorgehensweise Schule, werden sich Deutschlands Makler wohl warm anziehen müssen.

Nichtsdestotrotz ist es für jeden Makler wichtig, dass er für seine Immobilien Werbung macht, damit er weiterhin Aufträge generieren kann.

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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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3 Kommentare zu Maklerprovision – wer muss eigentlich was zahlen?

  1. Mietoptimierung sagt:

    Vielen Dank für diesen Artikel, der klar macht, dass Immobilienmakler mit Leistung und Engagenment überzeugen müssen, wenn Sie hohe Provisionszahlungen glaubhaft vermitteln wollen. Nur wenn der Käufer/Mieter die Leistung eines Maklers als gerechtfertigt hält, wird er/sie bereit sein, diese Leistung auch zu entlohnen.

  2. Gabriele eckert sagt:

    Ist die Marklerprovison in voller Höhe auch fällig , wenn z.B. Die Kaufsumme geteilt wird in 90% Haus und 10% Einbauten ,Küche und Möbel ?
    Oder muss ich dann nur noch von den 90% die 5,95% marklerprovison Zahlen !
    Wir haben uns so mit den Eigentümer geeinigt!
    Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar. Wir wohnen in Hessen.

  3. Frank Lender sagt:

    Ihr Artikel hört sich für Laien erstmal super an, nachdem Motto da bekommt jemand Geld ohne Leistung. Der Makler ist der Vermittler und damit nach der jetzigen Gesetzeslage ein Berater für beide Seiten. Auch haben beide Seiten einen Nutzen von der Maklertätigkeit.

    Die derzeitige, meistens angewandte Regelung der Courtage geht von einem einfachen Grundsatz aus der nicht umbedingt verkehrt ist. dieser lautet vereinfacht dargestellt:

    Eigentümer/Vermieter investiert in eine Immobilie und trägt das komplette Risiko
    (Mietausfall, Instandhaltungen ……. usw.)

    Mieter Muss kein Kredit abzahlen, spart Geld und vor allem trägt er keine Risiko auf seinen Kosten sitzen zu bleiben

    Der Käufer/Mieter spart viel Zeit bei der Suche, bekommt idealer Weise nur die Art von Immobilie vorgestellt die er wünscht. Auch achtet ein ausgebildeter und pflichtbewusster Makler auf einen der neusten Gesetzgebung entsprechenden Mietvertrag und auf ein Übergabeprotokoll.
    Das getroffene Vereinbarungen im Kauf-/Mietvertrag auch schriftlich fixiert sind bzw. werden.
    Die Beratung findet in der Regel statt und spart manchen Streit.

    Der Eigentümer/Vermieter stellt seine Immobilie zur Verfügung und trägt bei der Vermietung das finanzielle Risiko (Mietnomaden) aber hat von der aktuelle gesetzlichen Lage wenig Kenntnis.
    Der Makler berät auch Ihn und spart auch dieser Partei manchen Streit.

    Auch, wenn es die meisten Mieter, Käufer und Politiker nicht glauben in den wenigsten Fällen bestellt ein Eigentümer/Vermieter einen Makler, sondern der Makler sucht im Kundenauftrag oder sieht eine freie Immobilie oder findet eine Anzeige. Dann spricht er den Anbieter an.
    Was die meisten Kunden eines Maklers nicht wissen, jede Immobilie die angeboten wird muss von Eigentümer “frei gegeben werden” sonst darf ein Makler diese nicht anbieten.

    Was mich in der ganzen Diskussion stört ist, jeder möchte eine Dienstleistung (Hier Immobilienvermittlung) haben, aber wenn es dann Geld kostet ist alles nicht nötig und der Dienstleister wird zum Geldgeier.

    Ich würde mich freuen, wenn der Gesetzgeber einen regelmäßige Weiterbildung für Immobilienmakler einführen würde, aber dann dürften nicht Quereinsteiger aus manchen Berufsgruppen davon ausgenommen werden. Frei nach dem Motto, der Architekt ist auch gleichzeitig ein guter Makler.

    Ich würde mich freuen, wenn Sie diesen Kommentar auch veröffentlichen und freue mich bereits auf die daraus aufkommenden Diskussionen.

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