Energetische Sanierung hat Konsequenzen für Mieter

26. April 2011 | von

Union und FDP haben in ihrem Koalitionsvertrag eine neue Reform zum Mietrecht beschlossen. Diese besagt, energiesparende Sanierungen zu erleichtern. Was jetzt auf Mieter zukommen könnte.

Klimapolitik wird bei Union und FDP neuerdings ganz groß geschrieben: Beide Parteien haben es sich zum Ziel gemacht, bis 2050 18 Millionen Häuser in Deutschland zu modernisieren. Dadurch soll eine Verringerung des Energieverbrauchs von 80 Prozent erreicht werden. Wer aber bezahlt diese energetische Modernisierung? Und welche Auswirkungen hat die energetische Sanierung für den Mieter?

Die Bundesregierung sieht mit ihrer Reform eine Erleichterung der energetischen Sanierung für Immobilienbesitzer vor. Diese Neuorientierung unterstreicht die angestrebten Ziele der Klimaschutzpolitik und verspricht eine Verringerung des Energieverbrauchs von 80 Prozent bis 2050. Denn Immobilien benötigen immer noch circa 40 Prozent der gesamten Primärenergie und verursachen zugleich ein Drittel der CO2 Emissionen.

Die geplanten Änderungen bringen jedoch auch Nachteile für Mieter mit sich: Kündigungsfristen sollen von Vermietern und Mietern angeglichen werden. Bisher musste der Eigentümer bei einer Wohndauer von bis zu fünf Jahren den Mieter drei Monate Kündigungsfrist geben, sechs Monate bei einer Wohndauer von mehr als fünf Jahren und neun Monate bei einer Wohndauer von mehr als acht Jahren. Die Koalition möchte ebenfalls Mietminderungsmöglichkeiten während Bauarbeiten einschränken und Hausbesitzer sollen sogenannte Mietnomaden schnellst möglich kündigen dürfen.

Wer trägt die Kosten für die energetische Sanierung?

Die Bundesregierung bittet in erster Linie für die energiesparende Modernisierung den Vermieter zur Kasse. Jedoch ist dieser nach neuer Reform dazu berechtigt, 11 Prozent der Modernisierungskosten auf die Miete umzulegen. Hierbei muss jedoch deutlich zu erkennen sein, dass der Umbau zur Einsparung von Energie- und Wasserverbrauch führt. Es muss zudem beachtet werden, ob eine Modernisierung des Gebäudes oder eine Instandhaltung vorgenommen wurde. In diesem Fall darf der Vermieter nur die Kosten einer Modernisierung berechnen.

Wie stark steigen die Mietpreise?

Laut den Untersuchungen der deutschen Energieagentur (Dena) kommt es zu keiner Anhebung des Wohntarifs und „der Anstieg der Kaltmiete wird durch die eingesparten Energiekosten ausgeglichen“. In diesem Punkt widerspricht jedoch der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) der Dena. Der Verband hält die Studie für unrealistisch, da die Dena nicht die vollständigen Kosten einer Modernisierung berücksichtigt.

Können Mieter sich gegen eine energetische Sanierung wehren?

Grundsätzlich besteht keine Modernisierungspflicht! Die Bundesregierung möchte dennoch Anreize schaffen, um eine energiesparende Sanierung für Vermieter und Mieter attraktiver zu machen. Mieter stehen dem skeptisch gegenüber, da sie eine starke Mieterhöhung befürchten. Fraglich ist auch, ob Mieter eine Mietminderung während der energetischen Umbauarbeiten geltend machen dürfen. Momentan können sie bei Umbauarbeiten 50 bis 100 Prozent der Miete einsparen. Die Immobilienwirtschaft sieht hier eine der Haupthindernisse für die Modernisierungspläne der Bundesregierung.




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Ein Kommentar zu Energetische Sanierung hat Konsequenzen für Mieter

  1. Matthias sagt:

    Es können laut BGB bereits seit langer Zeit 11% der Modernisierungskosten umgelgt werden. Das ist keine Neuerung. Eine Mietminderung i. H. v. pauschal 50 – 100% auf Grund von Modernisierungsnahme ist meines Erachtens eine wage Aussage, da der Einbau von Kaltwasserzählern bereits als Modernisierung in diesem Sinne zu Werten ist. Auch bei erheblichn Baumassnahmen ist eine Mietminderung in Höhe von 20% nicht ungewöhnlich.

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