Atomausstieg muss Verbraucher nicht teuer zu stehen kommen

19. Mai 2011 | von

Viele Kunden befürchten einen massiven Preisanstieg bei den Stromtarifen, sollten demnächst die ältesten Atommeiler Deutschlands vom Netz genommen werden. Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) geben jedoch Entwarnung: es sind nur minimale tarifliche Erhöhungen zu erwarten.

Stromkunden plagen tarifliche Sorgen: Nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima vom 11. März war das Abschalten von sieben der ältesten Atomkraftwerke in Deutschland für drei Monate schnell beschlossene Sache. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) gab sogar bedenkliche Sicherheitsmängel an den Anlagen zu, die einem Ernstfall zu einer Katastrophe führen würden. Nun machen Befürchtungen die Runde, das Abschalten könnte massive Preisanstiege für Stromkunden mit sich bringen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) konnte jetzt Entwarnung geben: Der zu erwartende Anstieg wird wohl moderat bleiben. Der Preis für Haushaltsstrom wird voraussichtlich nur um 1,4 Prozent steigen, was zu Mehrkosten in Höhe von circa 0,3 Cent je Kilowattstunde führen würde. Ursache sei ein um rund sechs Prozent gestiegener Börsenpreis, der etwa ein Viertel des Strompreises ausmacht. Abgeschwächt wird die Preissteigerung dagegen von der durch die Börse gedämpften Umlage für erneuerbare Energien.

Kritiker befürchten einseitige Förderung

Die Bundesregierung hat zwar den kompletten Atomausstieg geplant, sieht sich aber nicht zur weiteren Förderung von Ökostrom animiert. Nach wie vor sollen laut Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bis 2020 etwa 35 Prozent des Stroms aus Wasser-, Wind- und Sonnenkraft oder Biomasse gewonnen werden, die Ansprüche wurden in dieser Hinsicht nicht erhöht. Zurzeit sind es rund 17 Prozent des Stroms, die aus erneuerbaren Energien gewonnen werden.

Kritik hagelt es von Opposition und aus der Ökobranche: Vor allem die großen Energiekonzerne würden von der momentanen Förderung profitieren. Beispielsweise soll die vorwiegend von Energieriesen betriebene Windkraft auf See stärker gefördert werden (von zwei auf 15 Cent je Kilowattstunde), während die Unterstützung für Biogasanlagen und Windkraft an Land verknappt werden soll. Die Subvention wird umso höher, je weiter die Offshore-Anlage von der Küste entfernt ist.

Im Rahmen des Atom- und Energiepakets am 6. Juni wird die Bundesregierung erneut über das EEG diskutieren. Bisheriges Ziel ist es, bis 2020 etwa 35 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, bis 2030 sogar 50 Prozent, bis 2040 auf 65 und bis 2050 satte 80 Prozent. Ob es zu Änderungen kommen wird, ist noch nicht abzusehen.




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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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