1,5 Milliarden Euro für die Gebäudesanierung: Verbände wittern Inkonsequenz

1. Juni 2011 | von

Das letzte Atomkraftwerk in Deutschland soll 2022 vom Netz genommen werden, so verspricht die Bundesregierung. Daher soll das im Herbst 2010 verabschiedete Energiekonzept nun zügig und problemlos umgesetzt werden – allein schon vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse im japanischen Fukushima, die die Bundesregierung unter Druck setzen. Der Start in eine Zeit der erneuerbaren Energien soll mit einer Förderung der Gebäudesanierung in Höhe von 1,5 Mrd. Euro pro Jahr geebnet werden. Wohnungsbauverbände bleiben skeptisch.

CO2-Gebäudesanierungsprogramme sollen ab 2012 mit 1,5 Mrd. Euro statt 1 Mrd. Euro pro Jahr gefördert werden, so gaben Bundeskanzlerin Merkel (CDU), Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) auf einer Pressekonferenz am 30.05.2011 an. Dies ist Teil der Umstellung von Atomenergie auf erneuerbare Energien, denn bis 2012 sollen schrittweise alle deutschen Kernkraftwerke ausgeschaltet werden.

Die Kraftwerke, die im Zuge des Moratoriums bereits abgeschaltet sind – beispielsweise das marode Krümmel -, werden weiterhin vom Netz bleiben, ausschließlich die drei neuesten Kraftwerke Neckarwestheim 2, Isar 2 und Lingen dürfen bis 2012 laufen, so der Beschluss. Gleichzeitig wurde festgelegt, den Anteil erneuerbarer Energien von heute 17 Prozent auf 35 Prozent im Jahr 2020 auszubauen.

CO2-Gebäudesanierungsprogramme werden mehr gefördert

Seit Einführung des CO2-Gebäudesanierungsprogramms 2006 konnten erhebliche Energieeinsparerfolge erzielt werden: Bisher konnten pro Jahr etwas mehr als 4 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Um das Vorhaben weiter voranzutreiben, stellt die Regierung für die kommenden Jahre eine verlässliche Summe von jährlich 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Diese fließen in die zinsvergünstigten Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Auch die steuerliche Absetzbarkeit soll erleichtert werden.

Die Rechnung der Verantwortlichen sieht so aus: Jeder Euro, der staatlich als Hilfe gezahlt wird, löst eine Eigeninvestition von etwa acht Euro aus. Davon profitiere auch das Handwerk, denn je mehr Aufträge erteilt werden, desto sicherer sind die zehntausende Arbeitsplätze der Branche.

Wohnungsbauverbände üben Kritik

Spitzenverbände des Wohnungsbaus kritisieren das Vorhaben als inkonsequent, da die notwendige wirtschaftliche Untergrenze bei 2 Milliarden Euro liegen würde. Alles darunter sei klimapolitisch verfehlt, denn nur dann sei das KfW-Gebäudesanierungsprogramm finanziell gesichert. Mittelfristig seien sogar ganze fünf Milliarden Euro pro Jahr an KfW-Fördermitteln erforderlich, um die erwünschten zwei Prozent Sanierungsrate erreichen wolle, bestätigt Dena-Chef Stephan Kohler gegenüber EnBauSa.de. Begrüßt werden allerdings die geplanten steuerlichen Anreize.




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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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