Berlin: Mieten so günstig wie in der Provinz?

4. Juli 2011 | von

Der Maklerverband IVD propagiert Berlin in seinem aktuellen Maklermietspiegel als billig. Dabei steigen in der Hauptstadt weiterhin drastisch die Mietpreise. Vor allem Lichtenberg wird als Wohnviertel immer beliebter, was die Mieten anziehen lässt.

Überraschend ist anders: Neue Wohnungen in Berlin sind erneut teurer geworden. Die musste auch der Maklerverband IVD im aktuellen Mietspiegel einräumen: Die Mieten bei Neubelegungen stiegen in den vergangenen zwei Jahren um 7,3 Prozent. In konkreten Zahlen bedeutet dies eine Durchschnittsmiete von 6,20 Euro pro Quadratmeter, in attraktiverer Lage sogar 7,50 Euro. Damit müssen Umzugswillige derzeit mit etwa einem Fünftel mehr Mietkosten rechnen als bei bestehenden Mietverhältnissen.

Der IVD bezeichnet die Berliner Preise dennoch als billig. Der Verbandsvorsitzende Dirk Wohltorf betont, vor allem im niedrigen Preissegment von 4,50 Euro pro Quadratmeter seien noch genügend Wohnungen zu haben. Entsprechende Wohnpreise fänden sich auch in Bielefeld und Rostock. Natürlich lägen die genannten Wohnungen nicht in den In-Vierteln, aber es habe eben niemand das Recht auf günstigen Wohnraum in attraktiven Wohngegenden.

Lichtenberg, Neukölln und Mitte verzeichnen deutlichste Anstiege

Für den Maklermietspiegel wertete der IVD rund 1300 Verträge für Neuvermietungen und Angaben von 50 Hausverwaltungen aus. Als Vergleich wurde der vom Senat erhobene Mietspiegel für Bestandsmieten herangezogen. Laut Maklerverband sind vor allem die Preise in Lichtenberg (14,3 Prozent), Neukölln (13,7 Prozent) und Mitte (12 Prozent) gestiegen. Lichtenberg ist vermutlich aufgrund seiner Nähe zum Szenebezirk Friedrichshain-Kreuzberg attraktiv, zudem wurden hier diverse Altbaubestände ansprechend saniert. „Kreuzkölln“, also das nördliche Neukölln, mausert sich ja schon seit einigen Monaten zum neuen In-Viertel. Wer sich die schon seit Jahren hohen Mieten in Mitte nicht leisten kann, zieht in die angrenzenden Teile der Nachbarviertel Wedding und Tiergarten. Randbezirke wie Marzahn-Hellersdorf oder Spandau sind weniger beliebt.

Der IVD geht von Auswirkungen auf den Mietmarkt aus, wenn 2012 der Flughafen Tegel geschlossen und der Großflughafen Berlin-Brandenburg in Schönefeld eröffnet wird. Da die Arbeitsplätze der Berliner Flugbranche sich nun in den Süden verlagert, werden wohl auch die Arbeitnehmer verstärkt in die südlichen Gebiete drängen und so die Mieten anziehen lassen. In Tegel steige allerdings die Wohnqualität, da der Fluglärm entfalle, so Wohltorf.




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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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