„Stadt der Mieter“: Steigende Mieten verdrängen arme Berliner an den Rand der Stadt

13. Juli 2011 | von

Bildlicher könnte das Verdrängen an den Rand der Gesellschaft nicht sein: Steigende Mieten zwingen immer mehr Berliner Unterstützungsempfänger wie beispielsweise Altersarme, Migrantenfamilien oder alleinerziehende Geringverdienende an die Randgebiete der Stadt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Diakonie sprechen gar von dem Entstehen von Ghettos von Hilfsbedürftigen.

Berlins Hilfebedürftige haben ein Wohnproblem: In den letzten Jahren sind die Mieten in Deutschlands Hauptstadt drastisch gestiegen, die Unterkunfts-Sätze für HartzIV-Empfänger haben sich dagegen in den letzten sechs Jahren nicht geändert. Die circa 331.000 Bedarfsgemeinschaften in Berlin, die auf die Unterstützung vom Staat angewiesen sind, stehen nun vor dem Problem, dass die gesetzlich festgelegten Beträge nicht mehr ausreichen. Die Leistungen für Unterkunft und Heizung, die sich nach der Brutto-Warmmiete und Anzahl der Haushaltsmitglieder richtet, hat eine Obergrenze, die sich mit den gegenwärtigen Mieten nicht mehr vereinen lässt. Auch die steigenden Heizkosten wirken sich negativ auf die ohnehin schon kritische Lage aus.

Bedürftige müssen umziehen – und werden bei der Wohnungssuche diskriminiert

Die Konsequenz der Misere ist, dass viele hilfsbedürftige Berliner, darunter viele Familien, nun gezwungen sind, ihr angestammtes Zuhause zu verlassen. 1.200 Bedarfsgemeinschaften waren es 2010, laut DGB 50 Prozent mehr als im Vorjahr! Um bezahlbare Wohnungen zu finden, müssen die Betroffenen nun in die unattraktiven Randgebiete der Stadt ziehen. Zudem sei nach Angaben des DGB in zunehmendem Maße eine Diskriminierung von Migranten sowie Älteren bei der Wohnungssuche erkennbar. Die Situation sei so nicht mehr hinnehmbar.

DGB und Diakonie sind alarmiert und fordern zum einen eine deutliche Anhebung der Heizkostenpauschale. Zum anderen stünden die öffentlichen Wohnungsbauunternehmen in der sozialen Verantwortung, mehr günstige Wohnungen anzubieten. Es ginge, so DGB-Vorsitzende Doro Zinke in einer Pressemitteilung, beim Wohnen nicht nur um ein Dach über dem Kopf, sondern auch um Lebensqualität: „Wo es also um Menschenwürde geht, darf man Hunderttausende in der Stadt nicht im Stich lassen“. Diakonie-Direktorin Susanne Kahl-Passoth ergänzt: „So entstehen gettoähnliche Bezirke. Das gesamte innerstädtische Sozialgefüge gerät in eine nicht mehr zu korrigierende Schieflage“. Zurzeit sitzt eine senatsinterne Arbeitsgruppe an der Überprüfung der Rechtsverordnung für die Kosten der Unterkunft, ein Ergebnis wird in Kürze erwartet.




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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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