Berlin-Touristen mieten sich gern in Mietswohnungen ein – zum Leidwesen von Anwohnern und Hotelbranche

19. Juli 2011 | von

Der nichtgewerbliche Tourismus ist in Berlin inzwischen Gang und Gebe. Der Grund sind die „illegalen“ Ferien-Mietswohnungen, die Touristen zu Spitzenpreisen angeboten werden. Doch nun fürchtet die Stadt Berlin um seinen Ruf: vom Touristenlärm genervte Anwohner beschweren sich, die Hotelbranche bemängelt fehlende Hygiene und Sicherheitsstandards – mal ganz abgesehen von der immer größer werdenden Konkurrenz.

Der Trend, private Mietswohnungen für Touristen als Ferienunterkünfte anzubieten, hält seit dem Jahr 2002 ohne Unterbrechung an – mit gutem Grund. Die Touristen freuen sich über günstige Feriendomizile und im Zuge der Wohnungsraumverknappung begrüßte auch die Politik die zusätzlichen Ferienunterkünfte.

Inzwischen sind jedoch besonders die Anwohner der bei Touristen beliebten „In-Kieze“ wie etwa Kreuzberg und Prenzlauer Berg mit der Situation unzufrieden. Die Kehrseite des Wohnungs-Tourismus beschert den Anwohnern eben nicht nur Möglichkeiten zum interkulturellen Austausch, sondern auch Party bis spät in die Nacht hinein, natürlich mit einer entsprechenden Geräuschkulisse oder auch mit Müll und Koffern überfüllte Hausflure. Die Anwohner reagieren auf solche Begleiterscheinungen zunehmend genervt.

Auch aus dem Hotel- und Gastgewerbe werden jetzt immer deutlichere Stimmen laut, die sich über die unwillkommene Konkurrenz beschweren. Nach Schätzung des Berliner Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) gebe es in der Hauptstadt inzwischen circa 15.000 bis 25.000 Ferienwohnungen. Das Problem ist nur, dass nach Angaben des Amts für Statistik lediglich 31 Betriebe mit gerade einmal 2.729 Betten gemeldet sind – und das ist nach Auffassung des Dehoga-Chef Thomas Lengfelder „sehr ärgerlich“, wie er gegenüber einer Nachrichtenagentur äußerte. Ein Problem sei bei den Ferien-Mietswohnungen überdies, dass die Wohnungen oftmals nicht nur überbelegt seien, sondern es auch an Sicherheitsmaßnahmen, wie etwa den gesetzlich vorgeschriebenen Brandschutz, und an Hygienestandards fehle.

Private Ferienwohnungen könnten bald wieder illegal werden

Das Müll, Dreck und Lärm Problem sieht übrigens auch die Hauptstadt eigene Tourismusbranche als Problem an und fürchtet vornehmlich um den guten Ruf der weltoffenen Stadt, wenn schlechtgelaunte Mieter auf die im Grunde willkommenen Touristen treffen. Auseinandersetzungen sind nicht gewünscht, aber auf Grund der Lage quasi vorprogrammiert. Der Geschäftsführer der Tourismuswerbegesellschaft VisitBerlin, Burkhard Kieker, gibt zu bedenken, dass sich die Stadt selbst ein Bein stellen könnte und fordert daher die Politik zum Handeln auf. Als Lösungsansatz schlägt Kieker ein Zweckentfremdungsverbot vor, das untersagt, Mietswohnungen in Ferienapartments umzuwandeln.

Hatte das Oberverwaltungsgericht 2002 noch ein solches Zweckentfremdungsverbot für ungültig erklärt, überlegen Grüne, SPD und die Linke nun das Verbot nach der Wahl im September wieder einzuführen – nach der Sommersaison. Die CDU fordert dagegen eine Genehmigungspflicht.




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