Energieausweis hat keine große Bedeutung am Immobilienmarkt

22. Juli 2011 | von

Sind die Themen Energieeffizienz und energetische Sanierung momentan kaum noch aus der politischen Diskussion wegzudenken, scheint sich die Frage nach der Energiebilanz für Mieter und Käufer von Immobilien kaum mehr zu stellen – vielmehr wird eine positive Energiebilanz schlichtweg vorausgesetzt.

Käufer und Mieter behandeln bei Besichtigungsterminen kaum noch die Frage nach dem im Jahr 2008 eingeführten Energieausweis für Immobilien. Im Gegenteil, die Energieeffizienz wird inzwischen schlichtweg als Standard vorausgesetzt. Dies zeigt die aktuelle Studie „Marktmonitor Immobilien 2011“ der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) und des Immobilienportals immowelt.de. Damit spielt der verbindliche Energieausweis bei der Immobilienvermarktung nicht die Rolle, die ihm der Gesetzgeber bei seiner Einführung zugedacht hatte, so die Schlussfolgerung von Stephan Kippes, Lehrstuhlinhaber für Immobilienmarketing und Maklerwesen an der HfWU.

Positive Energiebilanz wird vorausgesetzt

Bei der repräsentativen Studie, welche zum zweiten Mal erscheint, wurden 397 zufällig ausgewählte Makler aus ganz Deutschland zum Vermarktungsfaktor Energieeffizienz befragt. Leitfragen waren dabei, wie wichtig die Energieeffizienz für eine erfolgreiche Vermarktung von Immobilienobjekten ist und welche Kriterien bei Besichtigungsterminen besonders ausschlaggebend sind. Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich deutlich, dass die Nachfrage nach Energiebilanz, Wärmedämmung und Isolierung bei der Immobilienvermarktung abgenommen hat und die positive Energiebilanz vielmehr vorausgesetzt wird. Fragten 2010 noch 55% der Kaufinteressenten und 39% der Mietinteressenten nach der Energieeffizienz, sind es 2011 nur noch 48% der Kaufinteressenten und 33% der Mietinteressenten.

Ein weiterer Faktor der Befragung war die Frage nach der preissteigernden Wirkung von energieeffizienten Immobilien. Auch hier ist ein klarer Meinungsumschwung zu bemerken: 2010 schätzten 60% der Makler ein, dass ein hoher energetischer Standard preissteigernder Faktor für den Kauf- oder Mietpreis darstellt, 2011 sind nur noch 44% dieser Auffassung. Auf der anderen Seite zeigt sich, dass nach Ansicht der Makler die negative Auswirkung auf den Kaufpreis bei Objekten mit Sanierungsbedarf zugenommen hat. Davon gehen 48% der Befragten aus, 2010 waren es nur 29%.

Sanierung vor Immobilienverkauf oder –vermietung sinnvoll

Nicht nur der erzielbare Kaufpreis einer Immobilie wird durch die Energiebilanz derselben beeinflusst, sondern auch die Dauer und der Aufwand der Immobilienvermarktung. Um den Immobilienverkauf bzw. die Vermietung zügig voranzutreiben und adäquate Preise zu erzielen, raten die befragten Makler dazu, Immobilien vor einer geplanten Neuvermietung oder einem Verkauf mindestens eine Teilsanierung vorzunehmen. 71% empfehlen bei Kaufimmobilien eine Dachsanierung und 60% Maßnahmen zur Fassadendämmung. Bei den Mietobjekten hingegen raten die Experten vorwiegend zum Einbau einer Wärmeschutzverglasung (63%) sowie zur Dämmung der Fassaden (60%).




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