Hohe Zufriedenheit in den Landgemeinden

29. Juli 2011 | von

Von wegen Landflucht: Vor allem die älteren Bevölkerungsgruppen zieht es wieder raus aus den Großstädten. Studien zeigen, dass der Trend zum Leben in der Großstadt weniger stark ausgeprägt ist als bisher angenommen.

Die Großstädte werden immer weiter wachsen, während die Dörfer immer weiter schrumpfen – so war das allgemeine Credo der letzten Monate. Den damaligen Studien zufolge sollten sich die Einwohnerzahlen in den ländlichen Regionen verringern, da immer mehr Menschen ihr Glück in den großen Städten Deutschlands suchten. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass diese Prognosen der vergangenen Jahre etwas überholt sind. Günter Vornholz, Leiter Immobiliensearch bei der Deutschen Hypothekenbank, bestätigt: Es gibt es nicht ausschließlich den Trend zur Stadt hin. Demnach zieht es viele Menschen wieder in idyllische Kleinstädte an der Nord- und Ostseeküste, Dörfer in den Mittelgebirgen oder den Alpen. Eine Umfrage des Bundesamtes für Bauwesen und Raumornung hat nun ergeben, dass 70 Prozent der Bundesbürger auf dem Land mit ihrer Umgebung sehr zufrieden sind, während dies in den Großstädten nur auf 45 Prozent der Menschen zutrifft.

Die im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung tätige Forscherin Gabriele Sturm sieht vor allem den Lärm und die schlechte Luft als Ursache für die Unzufriedenheit der Großstädter. Mit der Studie kann auch endlich das Vorurteil aus der Welt geschafft werden, dass die Menschen auf dem Land unter der unzureichenden Infrastruktur leiden. So seien Gabriele Sturm zufolge 53 Prozent der Dorfbewohner mit den Angeboten an Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten sowie der medizinischen und schulischen Versorgung zufrieden oder sogar sehr zufrieden.

Der Trend „Hin zur Stadt“ hat demzufolge wohl in Wirklichkeit nicht so große Ausmaße wie vermutet. Tatsächlich sei nämlich nur ein Anstieg von drei Prozent von 1999 bis 2008 zu erkennen, wie Martin Gornig, Professor für Stadt- und Regionalökonomie an der Technischen Universität Berlin und Forscher am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), ermittelte. Weiter wird in der Studie deutlich, dass es hauptsächlich junge Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren in die Großstädte zieht, eine Altersgruppe, die vor allem Studenten und Berufsanfänger umfasst.

Wärend es die junge, weniger einkommenskräftige Bevölkerung also in die großen Metropolen zieht, laufe dieser Entwicklungstrend bei der älteren Bevölkerung spiegelverkehrt ab, so Gorning weiter. Aus diesem Grund würden die Städte zwar immer jünger, aber zugleich auch ärmer werden. Studenten und Berufsanfänger zahlen nämlich, im Gegensatz zu Angestellten, keine oder eine sehr geringe Einkommensteuer.

Höhere Steuereinnahmen für die Landgemeinden

Mit Blick in die Zukunft bedeutet das für die ländlichen Regionen, in den kommenden Jahren höhere Steuereinnahmen erzielen zu können. Dem Deutsche-Hypo-Analyst Vornholz zufolge, suchen ältere Beschäftigte, die aus den Großstädten ziehen, ihren neuen Lebensmittelpunkt in attraktiven Orten in der Nähe ihres Arbeitplatzes. Es werden also jene Orte bevorzugt, die über eine gute Verkehrsanbindung in die Zentren der Großstädte verfügten. Gezielt auf Senioren ausgerichtete Kommunen konnten Vorner zufolge durch eine auf diese Altersgruppe abgestimmte Infrastruktur innerhalb der Kleinstädte wie Weimar und Baden-Baden viele neue Bürger gewinnen.

Während nach Berechnungen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Jahr 2003 noch ein Bevölkerungsschwund von zwölf Prozent bis zum Jahr 2020 prognostiziert wurde, zeigt sich heute, dass die Zahl der Einwohner in Baden-Baden in den vergangenen Jahren jedoch gestiegen ist, und bis 2025 auch noch um weitere 5,5 Prozent steigen soll. Eine ähnliche Situation zeichnet sich auch in der Stadt Weimar ab, in der die Bevölkerung um 2.935 auf mehr als 65.300 Einwohner gestiegen ist.




Artikel bewerten und teilen:
VN:F [1.9.19_1165]
0
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title="" rel=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>