Zweite Miete bei berufsbedingtem Umzug als Werbungskosten absetzbar

10. Oktober 2011 | von

Ist ein Arbeitnehmer berufsbedingt dazu genötigt, den Wohnort zu wechseln und über mehrere Monate die Kosten für zwei Mietwohnungen zu tragen, so kann er – nach einem aktuellen Urteil des Bundesfinanzhofes – die Mietkosten für die zweite Wohnung steuerlich unbegrenzt als Werbungskosten absetzen.

Steht ein beruflich bedingter Umzug ins Haus, kommen meist nicht nur zahlreiche organisatorische Dinge auf einen zu, sondern mitunter auch finanzielle Engpässe, gerade wenn der Umzug so kurzfristig in Angriff genommen werden muss, dass zwei Mieten finanziert werden müssen. Hierbei schafft ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofes München Entlastung: Müssen Steuerzahler auf Grund eines beruflich bedingten Wohnortwechsels über mehrere Monate doppelte Mietkosten tragen, so kann die zusätzliche Miete steuerlich als Werbungskosten abgesetzt werden – und das in unbegrenzter Höhe.

Dieses Urteil ist auf einen Fall zurückzuführen, bei dem ein Arbeitnehmer aus beruflichen Gründen zum 1. Dezember in eine 165 Quadratmeter große Wohnung umzog, während seine Familie ihm in einem Abstand von zwei Monaten nachfolgte. Aus diesem Anlass gab der Mann in der Steuererklärung die Miete für die Monate, in der doppelt Miete gezahlt wurde – also von Dezember bis Februar -, die zusätzlichen Mietkosten als Werbungskosten an. Das Finanzamt jedoch akzeptierte diese nur teilweise mit dem Verweis darauf, dass die Kosten nur anteilig für eine Wohnung am neuen Arbeitsplatz mit einer Wohnfläche von bis zu 60 Quadratmetern anerkannt werde.

Der Bundesfinanzhof beurteilte den vorliegenden Fall vor Gericht jedoch großmütiger in Anbetracht der Tatsache, dass die Wohnung am neuen Arbeitsplatz des Mannes von vornherein als neues Familiendomizil geplant gewesen war. Die Richter entschieden, dass die zusätzlichen Mietzahlungen in diesem Falle unbegrenzt als Werbungskosten absetzbar sind. Der Werbungskostenabzug ist jedoch nur auf die Phase des Umzugs zeitlich begrenzt. Die Umzugsphase beginnt, der Auffassung der Richter zufolge, mit der Kündigung der bisherigen Wohnung der Familie und endet mit dem Auslaufen der ordentlichen Kündigungsfrist, die in der Regel einen Zeitraum von drei Monaten umfasst. Bis zum Zeitpunkt des tatsächlichen Umzuges sei dann die Miete der neuen und nach dem Umzug die Miete der bisherigen Wohnung als Werbungskosten absetzbar.

(BFH, Az. VI R 2/11).




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