Privatinvestoren: Landesbanken stoßen Immobilien ab

20. Februar 2012 | von

Als heiß begehrte Ware wurden Immobilien noch vor der Finanzkrise 2008 von den Kommunen massenhaft an Großinvestoren zu Schleuderpreisen verkauft. Nun wollen viele die erworbenen Objekte wieder loswerden. So auch die LBBW und die BayernLB, die sich von 21.000 Wohnungen und 33.000 Wohneinheiten trennen wollen.

Auch Lukas Siebenkotten (DMB) kritisiert die Vorgehensweise. Foto: DMB

Auch Lukas Siebenkotten (DMB) kritisiert die Vorgehensweise. Foto: DMB

Der Verkauf von Immobilien an Privatinvestoren weckt in erster Linie eines: Skepsis und Ängste auf Seiten der Mieter. Das gilt derzeit wohl auch für die Mieter der rund 64.000 Wohnungen, die von der Landesbank Baden Württemberg (LBBW) und der Bayerischen Landesbank (BayernLB) derzeit zum Verkauf angeboten werden. Für die oftmals vorwiegend an der Rendite interessierten Käufer sind gerade die Wohnblöcke in sogenannten Problembezirken als Investitionen interessant. In diesen meist aus den 70er Jahren stammenden Gebäuden ist das Mieterklientel oft gemischt, unter ihnen sind erfahrungsgemäß auch viele Hartz-IV Empfänger. Den Vorteil, den Investoren aus dem Erwerb solcher Objekte ziehen, liegt auf der Hand: Die Immobilien sind vergleichsweise günstig zu erwerben, die Miete wird vom Sozialamt pünktlich überwiesen und was die Höhe der Mieten betrifft, ist meist ein Spielraum nach oben für Mieterhöhungen vorhanden. Mieter befürchten Mieterhöhungen durch Sanierungsmaßnahmen und die Verdrängung aus den Mietverträgen.

Fokussierung auf Kerngeschäft

Gründe für den Verkauf sind die momentan gute Finanzlage der Investoren und der Druck der europäischen Kommission auf die Landesbanken, sich von ihren Wohnungsbeständen zu trennen. Erreicht werden soll damit eine stärkere Fokussierung auf das eigentliche Kerngeschäft. Dem Verkauf zuträglich ist außerdem die Attraktivität des deutschen Immobilienmarktes für Investoren: Im internationalen Vergleich sind die Mieten als niedrig einzustufen und das Potential auf steigende Preise ist nicht ausgeschöpft.

DMB hält Verkauf für falsch und kurzsichtig

Die Immobilienverkäufe an private Investoren stoßen nicht nur bei den Mietern auf Kritik, sondern auch bei den Mietervertretern wie dem Deutschen Mieterbund. DMB-Direktor Lukas Siebenkotten bezeichnete den Verkauf der 21.000 Wohnungen der LBBW an die Patrizia Immobilien AG als falsch und kurzsichtig. Siebenkotten prognostizierte einen Mietpreisanstieg von bis zu 25 Prozent für die nächsten 5 Jahre – eine horrende Entwicklung im Vergleich zu einem durchschnittlichen Mietpreisanstieg von jährlich 1,2 Prozent. Dem DMB zufolge drohen nach dem Verkauf der öffentlichen Wohnungsbestände neben Mieterhöhungen unter anderem Privatisierungen, der Verlust von bezahlbarem Wohnraum und fallende Investitionen in die Wohnungsbestände.

Letzteres ist vor allem bedenklich in Hinsicht auf den Verkauf der 48.000 Wohnungen der sächsischen Landeshauptstadt Dresden an die Gagfah im Jahr 2006. Das börsennotierte Unternehmen machte zuletzt negative Schlagzeilen mit Schimmel, verfallenden Häusern und defekten Heizungsanlagen ihrer Immobilienobjekte, alles auf Grund von Einsparungen an den notwendigen Instandhaltungen. Darüber hinaus warf die Stadt Dresden der Gagfah vor, die Sozialcharta missachtet und die Wohnungen unerlaubt verkauft zu haben.




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