Verlorener Kampf um die Windmühlenstraße

27. März 2012 | von

Es hatte doch erst alles so gut ausgesehen: 2596 Unterschriften hatten die Anwohner rund um die Windmühlenstraße gesammelt. Sie wollten den Bau eines Discounters und die Sanierung des Gebäudekomplexes im Leipziger Zentrum-Südost verhindern. Doch der Kampf gegen die Verdrängung aus dem Kiez scheint verloren. Es wird gebaut.

In der Windmühlenstraße in Leipzig wird nun doch gebaut. Foto: siepmannH  / pixelio.de

In der Windmühlenstraße in Leipzig wird nun doch gebaut. Foto: siepmannH / pixelio.de

Die Windmühlenstraße in Leipzig ist bekannt für ihre zahlreichen Kaffees, Bars, Ateliers und kleinen Boutiquen. Ihr Charme ist einzigartig und macht den Kiez zu etwas ganz Besonderem. Doch das Kultviertel scheint bald der Vergangenheit anzugehören.

Die Anwohner der Windmühlenstraße in Leipzig geben sich im Kampf um ihren Kiez geschlagen. 2596 geschredderte Unterschriften finden sich in einem blauen Müllbeutel wieder. Sie alle standen für den Zusammenhalt im Kiez und sollten den Bau eines Supermarktes sowie die Sanierung des Gebäudekomplexes im Leipziger Zentrum-Südost verhindern. Doch nach der letzten Stadtratssitzung muss die Interessengemeinschaft (IG) Windmühlenstraße resigniert zur Kenntnis nehmen, dass der geforderte Bebauungsplan für die umstrittenen Gebäude fortgesetzt wird. Dieser soll parallel zur Baugenehmigung fortgeführt werden. Den Anwohnern wird zwar nach der Ratssitzung ein gewisses Mitspracherecht zugesichert, doch dies stößt bei den meisten Betroffenen eher auf Gleichgültigkeit. Zweifelhaft bleibt auch, ob der Bau des Discounters im Innenhof gestoppt sowie die Erhöhung der Kaltmieten durch den Investor Casa Concept GmbH zurückgenommen wird. Dieser hatte das Gebäudeensemble im August 2011 von der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) gekauft.

„Die Kaltmieten sollen um rund 100 Prozent von rund 2,80 Euro auf 5,50 bis 5,90 Euro steigen. Die Schreiben zur Mieterhöhung ab November 2012 sind bereits in den Briefkästen“, berichtet Christian Kügler, Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) Windmühlenstraße, gegenüber LVZ-online. Diese Mietsteigerungen werden durch die Sanierung des Gebäudes möglich. Es werden Fenster ausgetauscht, die Fassade erneuert und zusätzlich gedämmt.

Schon jetzt können sich viele Anwohner die Miete nicht mehr leisten und verlassen die Windmühlenstraße. Die IG muss sich geschlagen geben, will aber nun versuchen, die Verdrängung und Gentrifizierung in anderen Stadtteilen zu verhindern.




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