Hamburg: Mieterverein prangert Mieter-Abzocke an

29. März 2012 | von

Jede dritte vom Mieterverein überprüfte Miete beinhaltet Fehler zu Lasten der Mieter. Der Mieterverein schätzt den Schaden durch fehlerhafte Mieterhöhungen auf rund 10 Millionen Euro.

In Hamburg gibt es viele Abzocker-Vermieter. Foto: Inessa Podushko  / pixelio.de

In Hamburg gibt es viele Abzocker-Vermieter. Foto: Inessa Podushko / pixelio.de

Eigentlich sollte der im vergangenen Jahr veröffentlichte Hamburger Mietspiegel mehr Transparenz und Sicherheit für Mieter und Vermieter bezüglich der Mietpreise in der Hansestadt bringen. Das Gegenteil scheint jedoch häufig der Fall zu sein. So spricht der Mieterverein Hamburg auf der Basis seiner am Donnerstag vorgelegten Dokumentation von skandalös überholten Mietforderungen. Zwar räumte Eckard Pahlke, Vereinsvorsitzender des Hamburger Mietervereins, ein, dass es glücklicherweise auch viele faire Vermieter gebe, trotzdem sprach er auch von Mieter abzockenden Vermietern, die teilweise gar als betrügerisch bezeichnet werden können. Pahlke führte weiter aus, dass jede dritte durch den Mieterverein überprüfte Miete Fehler zum Leidtragen von Mietern aufweist. Den Hamburger Mietern entstehe dadurch ein Schaden von insgesamt über 10 Millionen Euro, geht man davon aus, dass von den 500.000 Wohnungen, auf die der Mietspiegel angewendet wird, bei nur jeder zwanzigsten Wohnung eine fehlerhafte Mieterhöhung durchgesetzt wurde.

Mieterverein rät: Mieterhöhungen prüfen

Im Rahmen der Dokumentation von 20 Fällen durch den Mieterverein wurde darüber hinaus festgestellt, dass der Mieterverein dabei helfen kann, jährlich rund 587 Euro einzusparen. Nicht nur aus diesem Grund rät der Mieterverein den Mietern Mieterhöhungen gründlich zu prüfen und sich nicht durch die Androhung von Klagen einschüchtern zu lassen. Die fehlerhaften Mieterhöhungen bilden überdies die Höhe der künftigen Mietspiegel und zwingen somit auch die Stadt zu erhöhten Mietzuschüssen für Hartz IV sowie Sozialhilfeempfänger.

Kritik an der Mieterhöhungspraxis

Fehler, die häufig bei der Anwendung von Mieterhöhungen begangen werden, sind Pahlke zufolge häufig die Anwendung der Kappungsgrenze sowie die falsche Einordnung der Wohnlage. Erstere besagt, dass die Miete im Rahmen des Mietspiegels um bis zu 20 Prozent, bezogen auf den Mietpreis von vor drei Jahren, angehoben werden darf. Viele Vermieter nehmen allerdings die derzeitige Miete als Berechnungsgrundlage. In Hinsicht auf die Wohnlage trete der Fall auf, dass die Lage ein Upgrade von einer normalen auf eine gute Wohnlage erhält. Im Wohnlagenverzeichnis sei jedoch genau eingetragen und somit nachprüfbar, welcher Wohnlage ein Gebäude tatsächlich zugerechnet werden kann.

Kritik übte der Mieterverein auch am Bundesgerichtshof, so äußerte Pahlke, die hohen Richter seien Steigbügelhalter für Täuschungen und Betrügereien. Als Beispiel führte Pahlke an, dass die Mietenspiegel bei Mieterhöhungsverlangen nicht beigelegt werden müssen und so oftmals gutgläubige Mieter überhöhte Zahlungen leisten, die jedes Mietergericht ablehnen würde. Außerdem ist es Vermietern erlaubt, bei der Wohnfläche mit bis zu zehn Prozent Abweichung nach oben zu tricksen.




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