EU will zur Wärmedämmung zwingen

6. April 2012 | von

Mit einer neuen Richtlinie will die EU den Energieverbrauch von Wohnimmobilien senken – Eigenheimbesitzern drohen dadurch hohe Kosten.

Neue Richtlinie der EU will Eigentümer zue energetischen Sanierung zwingen. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Neue Richtlinie der EU will Eigentümer zue energetischen Sanierung zwingen. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Schlechte Nachrichten für Immobilienbesitzer: Das EU-Parlament will sie zwingen, stark in die energetische Sanierung zu investieren. Medienberichten zufolge sollen laut einem Entwurf der neuen EU-Energieeffizienzrichtlinie Eigentümer von Wohnimmobilien dazu verpflichtet werden, den Energieverbrauch der bis Ende 2010 errichteten Objekte um 80 Prozent zu senken. „Damit würden all jene Hauseigentümer bestraft, die vor 2010 in die energetische Sanierung ihrer Gebäude investiert haben“, kritisiert Dr. Rolf Kornemann, Präsident des Eigentümerverbands Haus & Grund, gegenüber der Welt online. „Die bisherigen Bemühungen Deutschlands, Vorreiter bei der Energieeffizienz in Europa zu sein, rächten sich dann.“

Hohe Kosten für Eigentümer

Auf Eigenheimbesitzer würden nach den neuen Vorgaben sehr hohe Kosten zukommen, um ihre Gebäude auf den aktuellen Energieverbrauchsstandard zu bringen. Zuletzt hatte die Bundesregierung 2009 die Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) um 30 Prozent angehoben. Seitdem darf der Primärenergiebedarf eines Hauses nur noch sieben Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr betragen. Nach der nun zur Debatte stehenden EU-Richtlinie müssten Immobilien, die bis Ende 2010 nach der EnEV 2009 errichtet wurden, jetzt so aufwendig saniert werden, dass der Verbrauch auf sparsame 1,4 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr sinkt.

„Die energetische Sanierung von Wohngebäuden muss wirtschaftlich und sozial verträglich gestaltbar bleiben“, hatte Axel Gedaschko, Vorsitzender der Bundesvereinigung Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft (BSI) und Präsident des GdW Bundesverbands, Anfang des Monats erklärt. Einige Vorschläge der geplanten EU-Energieeffizienzrichtlinie würden dies jedoch unmöglich machen. Die hohen Kosten wären eine unzumutbare Belastung für Vermieter und Mieter – denn die kommunalen Wohnungsunternehmen können die Kosten der energetischen Sanierung oft nicht über Mieterhöhungen refinanzieren, während Mieter mit einem geringen Einkommen eine Mieterhöhung nicht bezahlen könnten.

Altbauten oft selbst unsaniert mit besserer Energiebilanz als Neubau

Ein weiterer Kritikpunkt wird durch den EU-Entwurf hervorgerufen: Aktuellen Studien zufolge haben Altbauten in vielen Fällen selbst im unsanierten Zustand eine bessere Energiebilanz als Einzelhäuser in Neubaugebieten. Trotzdem sollen Besitzer von Bestandsimmobilien zur Dämmung verpflichtet werden. Kornemann erinnerte die Bundesregierung an ihr Bekenntnis im geltenden Energiekonzept, Hauseigentümern keine Zwangssanierungen aufzubürden. „Ich gehe davon aus, dass dieses Wort der Bundesregierung gilt“, betonte er. Statt permanent in Europa und in Deutschland neue Debatten über weitere Verschärfungen zu führen, sollten endlich die Mietrechtsänderungen und steuerlichen Erleichterungen auf den Weg gebracht werden.

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Ein Kommentar zu EU will zur Wärmedämmung zwingen

  1. Hallo,
    für ein Sachbuch mit EU-Themen, würde ich gerne aus Ihrem Artikel “EU will zur Wärmedämmung zwingen” (6. Aprl 2012) zitieren (mit Quellenangabe. Ich bitte
    Sie hierfür um Ihre Gemehmigung.

    Freundliche Grüße
    Kurt E. Schewe

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