Bauen, Mieten | Wohnungsneubau stagniert Pestel-Institut: Wohnungsknappheit droht

25. Juni 2012 | von

In deutschen Städten droht Wohnungsknappheit: In fünf Jahren werden hunderttausende Wohnungen fehlen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Pestel-Institutes. Insgesamt ist beim Mietwohnungsbau nahezu eine Verdoppelung der Bauleistung erforderlich.

Der Wohnraum in deutschen Großstädten wird knapp. Das belegt eine aktuelle Studie des Pestel-Instituts zum Thema Wohnungsnot in Deutschland. Beim Mietwohnungsbau stellt das Institut einen „enormen Bedarf“ fest und spricht von einem „Neubau-Defizit“. In fünf Jahren werden zum Beispiel in Köln 20.660 und in Düsseldorf 20.460 Mietwohnungen fehlen, in Hamburg voraussichtlich 50.000. „Wenn der Wohnungsbau hier nicht deutlich zulegt, klafft eine enorme Lücke. Dann werden bezahlbare Wohnungen Mangelware“, so Matthias Günther vom Pestel-Institut. Die größte „Bausünde“ sei, dass zu wenig neu gebaut wurde, vor allem der Mietwohnungsbau ginge generell zurück. Das Institut warnt darüber hinaus auch vor einer „Überalterung der Bausubstanz“: Rund 60 Prozent der Wohnungen in Köln beispielsweise stammten aus der Zeit vor 1970, ein Großteil sei weit von dem entfernt, was heute Standard ist, etwa beim Energieverbrauch.

Wer ganz oben stünde, sagt Matthias Günther und meint damit die finanziell stärkeren Mieter, könne sich natürlich auch weiterhin eine gute Wohnung leisten. Auch für die Empfänger von staatlichen Leistungen wie Arbeitslosengeld II sieht er kein allzu großes Problem, denn die würden schließlich vom sozialen Wohnungsbau profitieren. Die Geringverdiener könnten Günther zufolge jedoch die großen Verlierer sein.

Dass der Wohnraum in vielen deutschen Städten knapp wird, liegt laut Pestel-Institut vorranging daran, dass immer mehr Menschen aus den ländlichen Gebieten ziehen und die gute Infrastruktur der Ballungsräume suchen. Darüber hinaus würde für viele Eigentümer ihr Haus schlichtweg zu groß: Senioren leben laut Günther oft in viel zu großen Einfamilienhäusern. Alleine auf 180 Quadratmetern sei nicht nur das Heizen eine Schwierigkeit, auch andere Nebenkosten und Abgaben müssten bezahlt werden.

Das Pestel-Institut hatte im Auftrag des Deutschen Mieterbunds (DMB), der Gewerkschaft Bauen-Agar-Umwelt (IG BAU), dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) die Wohnungssituation in Deutschland untersucht. Dabei hatte man unter anderem auf Grundlage der Zahlen vergangener Jahre die künftigen Einwohnerzahlen hochgerechnet und daraus den Bedarf an Mietwohnungen ermittelt. Außer der voraussichtlichen Entwicklung der Anzahl an Mieterhaushalten und den Perspektiven des Mietwohnungsbaus wurden in der Studie auch einzelne Kreise und kreisfreie Städte regionalisiert betrachtet.

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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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